Ganz schön abgedreht
Eine Liebesgeschichte mit tragischem Ausgang. Der Schauplatz: die Bretagne im Mittelalter, ein stereotypisches Nordland mit Seen, Schlössern, Kirchen und Hirschjagden, nebelverhangen. Die Handlung: gespickt mit Eifersuchtsdramen, einem Duell, einem Hexenprozess und vermeintlichen Todesfällen. Der krause Plot und das Schauerambiente inspirierten Bellini zu einer Musik voller Formexperimente, die freier, wagemutiger klingt als sein unmittelbar vorausgegangenes Erfolgsstück «Il pirata».
In «La straniera» werden die Fesseln der traditionellen Nummernoper zugunsten des narrativen Drives gelockert, Ensembles prägen das Ganze weit mehr als Soli, statt Ziergesang im Belcanto-Stil schreibt Bellini dramatisch-expressive Melodien voller Pathos, in enger Anlehnung an Text und Bühnenaktion. Für die Wiederbelebung dieser selten gespielten Oper – in Florenz war sie seit 1830 nicht mehr zu sehen – nutzte Fabio Luisi die auf dem Material der Mailänder Uraufführung (1829) beruhende kritische Ausgabe Marco Uviettas.
Sechs der elf Solo-Nummern (darunter keine einzige echte Arie) sind für einen Baritenor reserviert, der es bis zum tiefen B hinunter schaffen muss. Eine merkwürdige, damalige ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Carlo Vitali
Nebel lastet auf Cornwall, tiefe Trübsal, auswegloser Schmerz. Schwer atmet die Musik, beinahe so, als wäre sie zu Eis erstarrt, als gäbe es kein Morgen mehr. Doch kein Orchester spiegelt, in den uns bekannten, chromatischen Seufzern, diese Tristesse, sondern ein Klavier. Und deswegen ist es eben auch nicht jener irische Küstenort, an dem, tödlich verwundet,...
Bald sind es vier Jahrzehnte. So lange wird Carola Fischer dann als Solistin auf der Bühne des Staatstheaters Cottbus gestanden haben. Aber was heißt hier: gestanden? Fast alle für ihren Mezzosopran geeigneten Rollen hat die gebürtige Berlinerin an dem Haus gesungen, von den leichten bis zu den schweren Fächern, von Mozarts quirligem Cherubino bis zu Wagners...
Allzu oft bekommt man ihn nicht zu sehen, den «Ring» an der Met. Im April und Mai traten Nibelungen, Götter und Kohorten nach sechsjähriger Pause wieder an. Am Pult stand mit Philippe Jordan ein in New York selten anzutreffender Gast. Zur gespannten Erwartung trug auch Michael Volle bei, der nach seinem Rollendebüt als Wanderer im ersten der beiden Met-Zyklen auch...
