Ganz ohne Trost
«Liebe kann göttlich sein. Aber kein Gott kann den Menschen die Liebe bringen.» Der Agnostiker und Regisseur Hans Neuenfels spricht über sein Religionsdefizit im Magazin der Berliner der Staatsoper. Und seine Ariadne bleibt auf der Insel Naxos ungetröstet allein mit sich und der flitterhaften Zerbinetta-Truppe, ratlos und gottlos im Wahn, einsam bis zum in dieser Inszenierung konsequent vollzogenen Ende der Tragödie: dem Freitod.
Neuenfels’ Berliner Inszenierung, seine erste Regie einer Strauss-Oper überhaupt, enthält diese zentrale Botschaft: Die Fixierung der unglücklichen Ariadne auf den fernen Geliebten Theseus, den halluzinierten Gott Bacchus, führt sie immer verstörender in den Realitätsverlust, den Wahnsinn. Und Camilla Nylund, die Dame in Schwarz, gibt der Mission die trauernde Gestalt: «Lass meine Schmerzen nicht verloren sein / Bei dir, lass Ariadne sein!», fleht sie zwar am Schluss Bacchus an. Doch entgegen der bei Strauss-Hofmannsthal so erhabenen Überhöhung der Liebenden, der verwandelnden Kraft der Liebe, die von einer apotheotischen Musik beglaubigt wird, rammt sich in der nüchtern-präzisen Lesart von Neuenfels Ariadne am Ende den Dolch in den Leib. Und der Bacchus ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Wolfgang Schreiber
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