Bittere Erfahrung

Damiano Michieletto erntet für seine Inszenierung von Rossinis «Guillaume Tell» Proteststürme, gegen die auch Antonio Pappano machtlos ist

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Schon die Hochzeitsfeierlichkeiten im ersten Akt des «Guillaume Tell», Rossinis Grand Opéra über Fremdherrschaft, Widerstand und widerwilliges Heldentum, sind durchsetzt von düsteren Vorahnungen. Jeder hat so seine Sorgen, politisch wie privat: Tell selbst, der alte Melcthal und sein Sohn Arnold, sie alle stecken in einem Dilemma, und das findet musikalisch Niederschlag in nüchternen Klängen, einer Art getragener Eleganz.

Aber richtig spürbar wird der Terror der österreichischen Besatzungsmacht erst, als der Hirte Leuthold auftaucht, gehetzt, verfolgt: Er hat einen Soldaten getötet, weil der seine Tochter vergewaltigen wollte. Rossini ging in seiner letzten Oper fast wie ein Romancier vor. Dass wir uns an Leutholds Auftritt erinnern, ist essenziell für den dritten Akt, in dem die Schweizer Frauen genötigt werden, für die österreichischen Soldaten zu tanzen. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was ihnen blüht, sollten sie sich den Invasoren widersetzen.

Damiano Michieletto führt in seiner Inszenierung am Royal Opera House die dieser Szene innewohnende Bedrohung schonungslos, schmerzhaft vor. Ein Trupp Soldaten nimmt sich eine der Frauen vor (die Schauspielerin ...

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Opernwelt August 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Anna Picard

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