Gallia abbandonata
Ein kurioser Zufall bescherte dem Opernland Nordrhein-Westfalen und seinen Belcanto-Liebhabern gleich zwei Premieren von Vincenzo Bellinis «Norma», nämlich in Dortmund und in Krefeld, keine 75 Kilometer voneinander entfernt. Der direkte Vergleich drängt sich geradezu auf. Seit Maria Callas in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts dieses Meisterwerk triumphal wieder ausgegraben und rehabilitiert hat, umgibt es ein besonderer Nimbus.
Was vor allem an der halsbrecherisch heiklen Titelpartie liegt, von der bereits Lilli Lehmann behauptete, sie sei schwieriger zu bewältigen als drei Brünnhilden. Außerdem gilt Bellini unter Regisseuren generell als sperrig, schwer zu inszenieren.
In Krefeld verlegt Thomas Wünsch die Handlung in die Filmwelt des italienischen Neorealismus. Der Regisseur ist davon ausgegangen, dass Bellini selbst die Handlung nur deshalb in der fernen Vergangenheit des ersten Jahrhunderts vor Christus in Gallien ansiedelte, um der Zensur zu entgehen und in dieser Verschlüsselung die damals aktuelle Situation des vom Risorgimento ergriffenen Italien reflektieren zu können. Auf der Bühne ist eine hohe Mauer mit einem eisernen Tor aufgebaut, dahinter stehen ...
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Opernwelt Februar 2012
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Regine Müller
Christa Ludwig hat dem Thema ihre Autobiografie gewidmet. Der Titel des Buches lautet: «… und ich wäre so gern Primadonna gewesen», und die große Sängerin beschreibt ihren Jahre dauernden Kampf mit der Entscheidung: Bleibe ich Mezzosopran – oder wird aus dem Ausflug ins Sopranfach eine neue Karriere? Dass dieser offenbar manchmal durchaus ersehnte Fachwechsel auch...
Vor drei Jahren hatte der damalige Intendant des Maggio Musicale, Francesco Giambrone, angekündigt, dass der «Parco della Cultura e della Musica» in Florenz, ein moderner Komplex für Opern-, Ballett- und Konzertveranstaltungen, dessen Baukosten damals auf 80 Millionen Euro veranschlagt wurden, am 28. April 2011 eröffnet werde. Schon bald stiegen die Kosten jedoch...
Das konnte nur anders, nur besser werden. Der Blick ins Archiv ruft geradezu grauslige Erinnerungen wach. 1971/72: erst Wagners «Tristan», vom einst großen Titelsänger Wolfgang Windgassen als Regisseur schmählich vertan, dann Gounods «Roméo et Juliette», auf der Szene desaströs vermurkst. Beide Male mit einem älteren Kapellmeister am Pult, der den Geist der Werke...
