Gerüttelt und geschüttelt
Das Teatrino di Corte an Neapels Palazzo Reale ist ein vergleichsweise unbekanntes Juwel, das ganz im Schatten des majestätisch-prunkvollen Teatro San Carlo steht. Dabei ist in dem kleinen, 1768 fertiggestellten Theater so manche neapolitanische buffa aufgeführt worden, während man gestandene seria-Kost eher im San Carlo gab. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, diente das Teatrino zunächst als Kino für die alliierten Besatzungstruppen, bevor es 1954 restauriert und danach weiteren Renovierungsarbeiten unterzogen wurde.
Nun strahlt es mit seinen roten und goldenen Schmuckelementen, Statuen, Fresken sowie modernster Bühnentechnik in neuem Glanz. Für die Wiedereröffnung hatte der Musikwissenschaftler Ivano Caiazza besondere Arbeit geleistet: Endlich war Domenico Cimarosas «Il marito disperato» mit den originalen Orchesterstimmen und in jenem neapolitanischen Dialekt zu hören, den der Komponist sich für den Helden seiner Oper vorgestellt hatte – eine kaum minder aufwändige und liebevoll aufbereitete Restaurierung.
Im Zentrum der Handlung steht der wohlhabende, aber einfältige Don Corbolone. Er ist mit der Edelfrau Gismonda verheiratet. Ein bunter Reigen typischer Commedia ...
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Opernwelt Februar 2012
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Carlo Vitali
Gefällig, leicht verdaulich, attraktiv und preiswert. So lautete der Tenor der Kritik zum «Don Giovanni», den Peter Mussbach 2006 in der Mailänder Scala auftischte. Damals war Donna Elvira in jenem draufgängerischen Tempo, mit dem Gustavo Dudamel am Pult die gestutzte Partitur durcheilte, auf einer weißen Vespa in einer öden Bühnenvorstadt vorgefahren. Den...
Als Kassenfüller scheint sich das Stück nicht so recht zu eignen. In Saarbrücken verlieren sich 250 Besucher in der Donnerstagsvorstellung, tags drauf in Hannover ist der Saal bestenfalls halbvoll – trotz jeweils guter Besprechungen. Dass «Ariadne auf Naxos» bei Kritikern beliebter ist als beim Publikum, mag mit der Struktur der Oper zusammenhängen. Der Kunstsinn,...
Opernaufführungen in bourgeoisem Ambiente anzusiedeln – vorzugsweise in Treppenhäusern bürgerlicher Villen – scheint en vogue. Claus Guth hielt dies schon öfter so, bei seinem «Fliegenden Holländer» in Bayreuth beispielsweise oder beim Salzburger «Figaro». Auch Mariame Clément verortete Rameaus «Castor et Pollux» in ähnlichem Ambiente, suchte den Dioskuren-Mythos...
