Fundstück aus dem Archiv der BBC
Diese späte Oper gehörte lange nicht zum Kanon seiner Hauptwerke für die Bühne: «La clemenza di Tito». Selbst in den Mozart-Hochburgen Salzburg und Glyndebourne blieb sie hartnäckig ausgeblendet. Die erste Studioaufnahme entstand erst 1967 unter István Kertész (Decca). Eine jetzt erstmals publizierte Rundfunkproduktion der BBC von 1956 darf man unter diesen Voraussetzungen als Pioniertat einstufen. Geleitet wurde sie von John Pritchard, der nach dem Tod Fritz Buschs für die Mozart-Pflege in Glyndebourne verantwortlich war. Und diese Tradition ist in der Aufnahme zu spüren.
Gesungen wird auf Englisch – was nicht britischem Nationalstolz geschuldet ist, sondern dem Umstand, dass die sprunghafte Handlung, in langen Rezitativen ausgebreitet, für den des Italienischen unkundigen Radiohörer nicht nachvollziehbar war. In einer wenige Monate zuvor entstandenen Produktion des WDR (unter Joseph Keilberth, mit Nicolai Gedda und Hilde Zadek) löste man das Problem dadurch, dass die Musiknummern zwar italienisch gesungen wurden, anstelle der Rezitative aber ein deutscher Sprecher die Handlung erklärte.
Die BBC-Version unter dem Titel «The Mercy of Titus» überzeugt in musikalischer Hinsicht ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Ekkehard Pluta
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