Frühbarockes Meisterwerk
Obwohl das Werk schon in seinem Entstehungsjahr 1625 in einem aufwendigen Druck erschienen ist, hat die erste Oper einer Komponistin bis vor Kurzem wenig Aufmerksamkeit gefunden. Jetzt aber steigt das Interesse: Im November 2017 gab es bei den Tagen Alter Musik in Herne eine konzertante Aufführung, die Wuppertaler Oper hat das Werk für ein interaktives Projekt bearbeitet. Und der unlängst beim Label Glossa erschienenen Gesamtaufnahme (siehe OW 2/2018) folgt jetzt eine weitere durch das Huelgas Ensemble unter der Leitung von Paul van Nevel.
Francesca Caccini (1587-nach 1640), Sängerin, Dichterin und Komponistin am Hof der Medici, hat in ihrem «Balletto in musica» bereits 100 Jahre vor Händel die Episode der Zauberin Alcina aus Ariosts Epos «Der rasende Roland» vertont.
Das aus Anlass eines polnischen Prinzenbesuchs entstandene Werk führt weit über die Welt der frühen Pastoralopern hinaus und reflektiert, aus dezidiert weiblicher Perspektive, politisch wie musikalisch bewusst die Geschlechterverhältnisse: Alcina singt nur in weichen B-, der von ihr verzauberte Ruggiero in harten Kreuztonarten und die androgyne, gute Zauberin Melissa, die ihn erlöst, durchweg im neutralen C-Dur. ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Uwe Schweikert
Die Vorstellung ist, horribile dictu, absurd. Ewige Nacht. Es wäre ein Leben ohne Licht, ein Dasein im Dunkel, hoffnungslos-haltlos. Doch kaum vernimmt man die ersten Töne aus Robert Johnsons «Care-charming sleep», hat man die Sorgen schon vergessen. Ein ätherisches Wesen scheint, von irgendwoher, das Wort an uns zu richten. Und so organisch, so rein und...
Es ist anzunehmen, dass Rolando Villazón Goethes «Zauberlehrling» kennt, schließlich ist er ein kluger Mann. Somit dürfte ihm auch jener Satz vertraut sein, mit dem der traurige Titelheld das Unheil in nässenden Gang setzt: «Und nun komm, du alter Besen! / Nimm die schlechten Lumpenhüllen; bist schon lange Knecht gewesen: Nun erfülle meinen Willen!» Mit ein...
Was tun, wenn jedes Instrument und jede vorstellbare Spieltechnik (oder Gesangstechnik oder Vortragsweise) erprobt, in die musikalische Praxis integriert und in mediale Kreisläufe eingespeist wird? Wenn also jeder Klang zugleich sedimentierte Musikgeschichte ist? Wenn das Publikum in so ziemlich allem, was es zu hören bekommt, nicht zunächst das Neue wahrnimmt,...
