In die Ecke, Besen!
Es ist anzunehmen, dass Rolando Villazón Goethes «Zauberlehrling» kennt, schließlich ist er ein kluger Mann. Somit dürfte ihm auch jener Satz vertraut sein, mit dem der traurige Titelheld das Unheil in nässenden Gang setzt: «Und nun komm, du alter Besen! / Nimm die schlechten Lumpenhüllen; bist schon lange Knecht gewesen: Nun erfülle meinen Willen!» Mit ein bisschen Fantasie könnte Villazón den Satz für sich reklamieren.
Er wäre dann also jener wackere Zauberlehrling, der sich auf dem Gebiete der Regiekunst ausprobieren darf, weil die alten Meister gerade außer Landes sind und weil seine Stimme, ein vormals edel-lyrischer Tenor, ebenfalls urlaubt. Er wäre aber, und hier liegt ein wenig die Krux der Angelegenheit, auch der Besen, der mit zunehmender Geschwindigkeit durch die Stube saust. Viel zu schnell für andere, viel zu schnell sogar für sich selbst. Der rasende Rolando-Besen gewissermaßen.
Dass die Kunst des Inszenierens eine hohe Kunst ist, scheint ihm dabei kein Arg. Egal. Ein Besen kehrt nötigenfalls so lange, bis nichts mehr übrig bleibt von dem Stück, das sich vor ihm auftürmt. Hauptsache, die Schenkel wackeln, das Tempo stimmt, kurz: der Effekt von der Sache. Die Sache ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Jürgen Otten
Der andalusische Komponist José María Sánchez-Verdú ist eine internationale Erscheinung: Er studierte in Madrid, Siena und Frankfurt am Main; er schrieb Bühnenwerke in mehreren Sprachen; er lehrt in Zaragoza und Düsseldorf; als Wohnorte gibt er Berlin und Madrid an. Seine Ästhetik greift weit aus, umfasst aber auch den gleichsam heimatlichen Aspekt der arabischen...
Es gibt viele Zahlen, die sich mit der Wiedereröffnung des Markgräflichen Opernhauses in Bayreuth verbinden. Natürlich sind da zunächst die knapp 30 Millionen Euro, die der Freistaat Bayern für die Restaurierung zur Verfügung gestellt hat. Markus Söder, der in seiner Funktion als Finanz- und Heimatminister mit dem Projekt vielfach beschäftigt war, fasste es bei...
Obwohl das Werk schon in seinem Entstehungsjahr 1625 in einem aufwendigen Druck erschienen ist, hat die erste Oper einer Komponistin bis vor Kurzem wenig Aufmerksamkeit gefunden. Jetzt aber steigt das Interesse: Im November 2017 gab es bei den Tagen Alter Musik in Herne eine konzertante Aufführung, die Wuppertaler Oper hat das Werk für ein interaktives Projekt...
