Frizzante
Die Feststellung, dass Spiritualität vereint, Religion hingegen trennt, gilt nicht erst seit den verheerenden Attentaten religiöser Fanatiker in unserer Zeit. Schon immer fanden sich Konfessionen politisch missbraucht, wurden sie im Sinne von Machtgewinn und -erhaltung bewirtschaftet. Ob freilich Oliver Cromwell (1599–1658) ein Machtpolitiker war, der Gott zu seinen persönlichen Zwecken nutzte (was Winston Churchill behauptete), bleibt dahingestellt.
In der nach den Puritanern benannten Oper Vincenzo Bellinis und seines Librettisten Carlo Pepoli wird er jedenfalls als positive Kraft bemüht; der Sieg seines Heeres gegen das der herrschenden Stuarts verhilft auch dem von den politischen Ereignissen ordentlich gebeutelten Liebespaar Elvira und Arturo zum happy ending.
Cromwell selbst erhielt in «I puritani» keine eigene Stimme – vielleicht wäre er als Bass denkbar gewesen. Doch die Ereignisse um den englischen Bürgerkrieg dienten Bellini in seinem Meisterstück, uraufgeführt in seinem Todesjahr 1835, vor allem als Folie einer romantischen Liebesgeschichte mit der dem damaligen Zeitgeist entsprechenden «Bonbon», dem sanften Abgleiten der Heroine in den temporären Wahnsinn. Die Callas, ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Medien, Seite 25
von Gerhard Persché
Die Opéra national de Paris hat kein Glück mit dem «Ring». Wagners Tetralogie wurde in Frankreichs Hauptstadt zunächst stückweise präsentiert, zudem in der falschen Reihenfolge: «Das Rheingold» kam erst 1909 zur Aufführung, nach «Walküre» (1893), «Siegfried» (1901) und «Götterdämmerung» (1908) – und zwei Jahrzehnte nach Produktionen in ungleich kleineren Städten...
Ins Labyrinth ihrer Obsession verstrickt erscheint die Titelheldin bereits in der Ouvertüre: Der Regisseur Christoph von Bernuth widersteht allen Fallstricken einer fast schon zur Routine gewordenen Idee, pantomimisch ganze Vorgeschichten zu erzählen. Stattdessen nur das hundertfach gespiegelte Wort Hippolyte – ein Irrgarten, in dem gleich in der ersten Szene das...
Ein ähnliches Setting des Stücks hatte 2019 auch Regisseur Floris Visser dem Publikum am Badischen Staatstheater Karlsruhe beschert: Das vermeintliche Einheitsbühnenbild hat einen Zwilling auf der Drehbühne. So auch an der Opéra national du Rhin. Zweimal hat Christof Hetzer seinen perspektivisch stark nach hinten verjüngten Raum mit der Ornamenttapete gebaut –...
