Fressen sie Kaninchen?
Ein alter Mann besucht eine Beerdigung. Dem Grab entsteigt ein kleines Mädchen, das ihn ärgert und das er deshalb an ein Seil bindet, während seine Gattin es lieber gleich erschießen würde. Aus dem Mädchen wird eine Teenagerin, die eine andere Teenagerin kennenlernt und mit ihr ein paar Dutzend Kinder bekommt. Aber leider wird sie von einem zufällig umherirrenden anderen Mann doch noch über den Haufen geschossen.
Absurde Handlung eines Off-Off-Independent-Films? Ambitioniertes Abschlussprojekt an einer Filmhochschule? Nein, sondern ungefähr das, was in der Bayerischen Staatsoper zu sehen ist, während gleichzeitig die Musik und der tschechische Text von Leoš Janáčeks «Schlauem Füchslein» laufen. Denn der Regisseur Barrie Kosky hat ein Problem mit dem Stück, nicht als Erster: dass, wenn das Kostümbild nur um Fuchshaarbreite danebenlangt, all die Tiermenschen oder Menschentiere aussehen wie aus einem tschechischen Kinderfilm der 1970er-Jahre. Also ungefähr so wie zuletzt bei Otto Schenk an der Wiener Staatsoper. Kosky demonstriert freilich auch, was schlimmstenfalls passieren kann, wenn man alles Tierische nur um des Weglassens willen weglässt: Alles wird uneigentlich. ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Michael Stallknecht
Die Kombination ist dramaturgisch schlüssig: Zwei veristische Einakter, beide im Milieu katholischer Ordensfrauen angesiedelt, überdies ist jeweils ein verstorbenes Kind konstitutiv für die Handlung. Umberto Giordanos «Mese Mariano», 1910 am Teatro Massimo in Palermo aus der Taufe gehoben, führt in ein von Nonnen betriebenes Waisenhaus. Dorthin musste Carmela ihren...
Von Rued Langgaard, Dänemarks genialischem Querdenker und -schreiber, gibt es vier oder fünf Werke, die international mehr Beachtung verdient hätten. Seine Oper «Antikrist» gehört nur bedingt dazu. Sie ist eine apokalyptische Rettungsoper, ein Mysterienspiel und folglich kompliziert auf die Bühne zu bringen; das Libretto ergibt keine dramaturgisch sinnvolle...
Wer die Schönheit sucht, wird in den Filmen dieses Künstlers nur fündig, wenn er sich auf eine lange Reise begibt, vom Licht ins Dunkel. Filme von Michael Haneke sind eine Zumutung. Sie verstören, sie sind – dafür genügt es schon, allein «Funny Games» von 1997 anzuschauen – imstande, binnen zwei Stunden jeglichen Glauben an die Menschheit verlieren zu lassen. Sie...
