Fremde in der Nacht
Über die Frage, was der Mensch sei, haben sich Legionen von Dichtern und Denkern das Hirn zerdrückt. Immerhin eines aber konnte konstatiert werden: Die Krone der Schöpfung ist der homo sapiens sapiens, wie es wissenschaftlich korrekt heißt, vermutlich eher nicht. Auch kein Schwein, wie der (charakterlich zweifelhafte, lyrisch große) Gottfried Benn vermutete. Schweine haben grosso modo einen besseren Charakter als Menschen. Hinfällig hingegen sind beide Gattungen, wenngleich aus unterschiedlichen Gründen: Das Schwein wird vom Menschen geschlachtet, dieser ist gebrechlich von Natur aus.
Das erkannte auch Giacomo Badoaro, als er das Libretto für Claudio Monteverdis spätes Dramma per musica «Il ritorno d’Ulisse in patria» verfasste. Also schuf er sogleich eine dazu passende Figur: L’humana fragiltà. Am Deutschen Nationaltheater Weimar erscheint diese vor dem Eisernen Vorhang als ein Subjekt der Verzweiflung. Vergeblich versucht der Countertenor Georg A. Bochow, während er singend klagt («Salvo è niente dal mio dente»), Wasser aus dem Hahn einer Stele herauszupressen. Doch da ist nichts. Kein einziger Tropfen. Sein Wissen darum, «ein sterblich’ Ding zu sein», offenbart sich in dieser ...
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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Jürgen Otten
Auch fünfzig Jahre nach Patrice Chéreaus grunderschütterndem Bayreuther «Ring» vermag Wagners Tetralogie noch zu verstören, zumal, wenn sie so illusionslos nüchtern in einer Ästhetik des Hässlichen daherkommt, wie jetzt in Stephan Kimmigs «Rheingold»-Neuinszenierung. Kimmig entzaubert die Szene, rückt den Figuren gleichsam mit dem psychischen Nacktscanner zu Leibe...
alpha
01.01. – 16:00 Uhr
Berliner Philharmoniker – Galakonzert 2012
Mit Cecilia Bartoli (Mezzosopran), Jonathan Kelly (Oboe), Gábor Tarkövi (Trompete) und Simon Rattle (Musikalische Leitung)
02.01. – 21:45 Uhr
Galakonzert
Mit Lang Lang (Klavier), Mariss Jansons (Musikalische Leitung) und dem BR-Symphonieorchester
16.01. – 21:45 Uhr
Gardiner dirigiert Chabrier
Das...
63. Jahrgang, Nr 01
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
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