Fremd zieh' ich wieder aus
Eine «komponierte Interpretation» hat Hans Zender seine 1993 entstandene Version von Schuberts Liedzyklus «Winterreise» genannt. Es ist sein bekanntestes, meistaufgeführtes Werk, mit dem er auch Hörer außerhalb des Avantgarde-Zirkels erreicht. Es war nicht die erste Bearbeitung dieser «schauerlichen Lieder» (wie Schubert sie selbst bezeichnete), und es sollte auch nicht die letzte bleiben. Meist musste die Klavierbegleitung dran glauben und wurde durch andere Instrumente wie Viola, Gitarre, Drehleier oder ein Streichquartett ersetzt.
Von solchen eher marginalen Eingriffen setzt Zender sich durch ein «Weiterdichten» des Originals, eine Überschreibung von Schuberts Klangbild ab, die er als «schöpferische Veränderung» für sich in Anspruch nimmt. Während er den Gesang weitgehend unangetastet lässt und nur gelegentlich verfremdet, übersetzt er Schuberts Klaviersatz – unter starker Weitung, ja Dehnung der Tempi bis zum Innehalten – in den ihm eigenen charakteristischen Stil mit seinem pointillistisch-kalligrafischen Innenleben. Bezeichnend ist bereits die Mischung des aus 24 Spielern bestehenden Ensembles – sechs Streichern stehen acht Holz- und drei Blechbläser gegenüber, deren ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Uwe Schweikert
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