Freakshow
In der einen Hand halte sie die Giftphiole, in der anderen den Dolch. Viel mehr, so bedauerte Ferdinand Gregorovius im vorvergangenen Jahrhundert, habe die Historie über Lucrezia Borgia leider nicht zu sagen. Späte Amtshilfe bekam der deutsche Antikenkenner vom Musiktheater, wo ein Donizetti seine Antiheldin in irritierend mitleiderregende Klänge kleidete.
Man kann das sogar anheizen, bis zur radikalen Parteinahme.
Am Landestheater Niederbayern, das sich seit einigen Spielzeiten mutig und erfolgreich dem Belcanto stellt, treibt Regisseur Roland Schwab die Angelegenheit um die Tochter des späteren Papstes um zwei, drei Umdrehungen weiter. Nicht um Mitleid für eine Ausgebootete geht es hier. Es geht um Solidarität für eine Unterdrückte. Schwabs Regieurteil also: kein Mord, bestenfalls Totschlag, vielleicht sogar «nur» Notwehr.
Doch statt zu Phiole oder Dolch greift seine Lucrezia zu Härterem. Am Gas verrecken ihre Peiniger, von denen sie zuvor erniedrigt, misshandelt, sogar mit Urin besudelt worden war. Gewachsen, das zeigt sich jetzt, sind ihr diese präpotenten Kerle keineswegs, die ihrem Hormonstau kaum Herr werden – weil er die entscheidenden Synapsen für Durchblick und ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Markus Thiel
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59. Jahrgang, Nr 6
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