Frauen(bilder)
Die Hagener Koppelung von Puccinis Einakter «Suor Angelica» mit Outi Tarkiainens «A Room of One’s Own», der ersten, nun uraufgeführten Oper der 1985 geborenen finnischen Komponistin, zu einem Doppelabend mochte zunächst befremdlich wirken. Zwischen dem wahnhaft verklärten, gleichsam der Realität entzogenen Selbstmord der Nonne Angelica und dem musiktheatralen Essay über Virginia Woolfs berühmtes feministisches Manifest «A Room of One’s Own» liegen Welten.
Es bedurfte der Fantasie der Bühnenbildnerin Monika Biegler, um hier den Raum des zweiten mit dem des ersten Stücks zu verbinden, ja, geradezu aus ihm entstehen zu lassen. Beide Werke zeigen, wie die Gesellschaft mit Frauen umspringt. Angelica wird nach der Geburt eines unehelichen Kinds von ihrer adelsstolzen Familie ins Kloster eingesperrt: ein qualvoller Liebesentzug, der sie traumatisiert. Woolf wiederum rechnet in ihrem kritischen Essay von 1928 mit der Tatsache ab, dass für Frauen in der Kunst kein Platz vorgesehen ist, sie vielmehr grundsätzlich ausgesperrt bleiben – es sei denn, sie verfügen über ein eigenes Zimmer und materielle Unabhängigkeit.
Im ingeniösen Blick der Regisseurin Magdalena Fuchsberger kommentieren beide ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 7 2022
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Uwe Schweikert
JUBILARE
Das sängerische Können des US-amerikanischen Baritons Thomas Jamerson fand von den späten 1960erbis hin zu den 1990er-Jahren viel Beachtung. Richtig prominent trat er 1968 erstmals in Erscheinung als er im Studio die Rolle des Barone Douphol in Verdis «La traviata» mit Georges Prêtre am Pult des RCA Italiana Orchestra an der Seite von Montserrat Caballé...
Manchmal scheint das Problem zeitgenössischen Musiktheaters darin zu liegen, dass entweder zu viel, zu wenig oder – wie häufig – im Grunde gar nichts erzählt wird. Diese Problematik tritt im Zeichen von Christian Josts «Egmont» in der Deutschen Erstaufführung (2020 bestellt und uraufgeführt vom Theater an der Wien) in Bielefeld vollkommen in den Hintergrund. Jost...
Ein garstig Lied! Pfui! Ein politisch Lied! Ein leidig Lied!» Des Branders Sinnieren in Auerbachs Keller gehört zu den obligaten «Faust»-Zitaten, auch im Sinne einer nicht minder «klassischen» Dreiteilung der Lebensbereiche: volkstümliche Lustbarkeit, «hohe» Kultur, schnöde Politik. Das Wahre, Gute, Schöne als erhabener Widerpart zur allemal prekären...
