Forza Mozart!
Der eine ist 45, der andere knapp älter; über die Jahre juveniler Bilderstürmer sind sie beide eigentlich längst hinaus. Und beide, Jérémie Rhorer wie Teodor Currentzis, verströmen nicht nur jugendliches Flair inklusive der trotzig in die Stirn wirbelnden Haarsträhnen, sondern mischen als Mozart-Dirigenten zugleich das traditionelle Bild des gelassenen Klassikers ziemlich rücksichtslos auf.
Das tat freilich schon Nikolaus Harnoncourt – beide haben viel von dessen vertikal betonter Akzentuierungsweise übernommen, wie etwa Rhorers vorliegende Einspielungen von Mozarts «La clemenza di Tito» und «Don Giovanni» (Live-Aufnahmen aus dem Théâtre des Champs-Élysées) nahelegen. Zwar wirkt der Pariser «Titus» Rhorers nicht ganz so radikal wie die rabiate Interpretation des Griechen voriges Jahr in Salzburg. Doch treibt auch der Franzose mit Le Cercle de l'Harmonie den Furor dieser Musik voran, nicht zuletzt durch betont rhythmisches, genau artikuliertes Musizieren. Allerdings scheint sich Letzteres – nach etwas «harzigem» Beginn – erst peu à peu zu ergeben. Geduld also.
Kurt Streit, zum Zeitpunkt dieser Aufnahme ein Mittfünfziger, hat sein bisheriges Leben und Lieben vor allem Mozart ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Gerhard Persché
«Opera Ireland ist eingegangen,» schrieb Michael Dervan 2010 in seinem Abgesang in der «Irish Times», als die gebeutelte Kompanie nach 69 Jahren endgültig einbrach – um gleich eine pikante Frage anzufügen: «Und was ist mit der neuen Irish National Opera, die Kunstminister Martin Cullen auf den Plan gerufen hat [...]? Tja. Tun wir das Undenkbare im aktuellen Klima:...
Polen ist bislang nicht als Zentrum für Alte Musik und genuine Aufführungspraxis bekannt gewesen. Doch das ändert sich. Gerade fiel der Countertenor Kacper Szelążek in Amsterdam bei der Aufführung von Stefano Landis Tragicommedia «Morte d’Orfeo» auf (siehe OW 5/2018). Nun hat sein Kollege Jakub Józef Orliński mit der Mezzosopranistin Natalia Kawałek, die regelmäßig...
Das Lob des Herrn hat viele Gesichter. Es kann demütig sein, erhaben frohlockend, schlicht-eingängig. Aber es kann auch so sein wie hier: überschäumend, vital, ja beinahe ausgelassen. Antonio Vivaldis «Gloria», mit großer Wahrscheinlichkeit anlässlich Venedigs Sieg gegen die Türken anno 1716 komponiert, sprüht vor diesem erquickenden Geist, der geistliche Würde mit...
