Ehre sei Gott in der Höhe des Swing!
Das Lob des Herrn hat viele Gesichter. Es kann demütig sein, erhaben frohlockend, schlicht-eingängig. Aber es kann auch so sein wie hier: überschäumend, vital, ja beinahe ausgelassen. Antonio Vivaldis «Gloria», mit großer Wahrscheinlichkeit anlässlich Venedigs Sieg gegen die Türken anno 1716 komponiert, sprüht vor diesem erquickenden Geist, der geistliche Würde mit jenem musikantischen Esprit verknüpft, für den «Il Prete Rosso» noch heute zu Recht gerühmt wird.
Zumal in einer Interpretation, die jedes affirmative Pathos vermeidet, stattdessen auf brizzelnde Sprachmelodik und bewegten Rhythmus setzt: Ehre sei Gott in der Höhe des Swing!
Diego Fasolis und sein Ensemble I Barocchisti gebieten über eine gut ausbalancierte, deklamatorisch dichte, atmende Tongebung. In den schnellen Sätzen des «Gloria» lässt diese Funken sprühen, in einem elegischen Stück wie «Et in terra pax» mit seinen absteigenden Arpeggien, schattiert sie geschmeidig und im steten Puls die verschiedenen Stimmen, bringt Akzente wohldosiert zum Einsatz. Im Einklang mit den Chromatismen des Chorsatzes (der Chor des Schweizer Rundfunks besticht durch präzise Artikulation und hohe Phrasierungskunst) entsteht eine ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Jürgen Otten
Herr Kowaljow, Sie haben als Mechaniker und bei der Feuerwehr gearbeitet, sind auch Soldat gewesen. Sind Sie rein zufällig professioneller Sänger geworden?
Es kam zunächst für mich überhaupt nicht in Frage. Von 1987 bis 1989, also noch zu Sowjetzeiten, diente ich für die Rote Armee am Nordpol und hatte das Kommando über 34 Soldaten. Eigentlich wollte ich meine...
In der Gewohnheit ruhe das Behagen, fand Goethe. Damiano Michieletto kann dem Dichterfürsten in dieser Hinsicht wohl wenig abgewinnen; seine Inszenierungen suchen das Andere, Ungewohnte. So ließ er Puccinis «La Bohème» bei den Salzburger Festspielen teilweise in einem vermüllten Matratzenlager spielen, verortete Verdis «Falstaff» an gleichem Orte in der Mailänder...
Jules Massenets «Conte de fées», seine Lesart also des über das Aschenbrödel-Märchens, wird selten gespielt. Wie Rossini in der ungleich populäreren Version «La Cenerentola» setzt auch Massenet in seiner 1899 uraufgeführten Märchenoper die ekstatischen Traumbilder von Cendrillon und ihrem Märchenprinzen – im französischen Original «Le Prince Charmant» – in einen...
