Flüchtige Reize
Mit Wagner könne man ihn jagen, verkündete noch vor Jahren der Regisseur Dietrich W. Hilsdorf. Als ihm aber, etliche Verdi- und Operetten-Inszenierungen später, vom Rheinoper-Intendanten Christoph Meyer der «Ring» angeboten wurde, hatte die Jagd ein Ende. Hilsdorf grub sich tief in die Wagner-Materie ein. Nach der Premiere der «Götterdämmerung» am Düsseldorfer Opernhaus kann man sich jetzt die Frage stellen, wie zeitgemäß der neue «Ring am Rhein» ist, gut drei Jahrzehnte nach der letzten Inszenierung von Kurt Horres.
Die Bilanz fällt gemischt aus – vor allem, weil Hilsdorf sich zu sehr auf die Ästhetik und Anekdotik der Settings des Bühnenbildners Dieter Richter verlässt und sich zu wenig Freiräume für das Spiel der Personen erkämpft. Da gibt es ein Varieté-Portal mit blinkenden Lämpchen im «Rheingold», einen Bunker à la «Wolfsschanze» samt abgestürztem US-Helikopter in der «Walküre», eine Fafner-Riesendampfmaschine im «Siegfried» – detailverliebt gebastelte Hingucker, die so manche Durststrecke im Spiel der Personen vergessen machen.
Der szenische Schlüsselreiz der «Götterdämmerung» ist ein kantiges Schubschiff, das freilich nichts mehr anschiebt, sondern rostig und (fast) ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Michael Struck-Schloen
Erkenntnis fällt nicht vom Himmel. Und gilt selten für die Ewigkeit. Weil die Dinge im Fluss sind. Wer verstehen will, sollte Kopf und Sinne in Bewegung setzen, sich öffnen für das Unvertraute, Unvorhersehbare. Und vor allem: das Gespräch suchen, fragend, forschend, ohne Scheuklappen. Zuhören, genau, geduldig, wägend – das ist eine Kunst, die wir zu verlernen...
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Wenn der Vorhang aufgeht, dann muss es krachen», sagt Anno Schreier in einem Radiointerview. Der Karlsruher Komponist (Jahrgang 1979) setzt nicht auf experimentelle Spieltechniken, elektronische Verfremdungen oder Geräusche, er arbeitet mit einer eher traditionellen Tonsprache, in der auch Dur-Akkorde und weit gespannte Kantilenen vorkommen dürfen. Ähnlich wie...
