Oper als Videogame
Vermutlich war es nur eine Frage der Zeit. Videoprojektionen sind heutzutage aus den Opernhäusern nicht mehr wegzudenken. Mal bringen sie künstlerischen Mehrwert durch konstrastierende Brechungen des Bühnengeschehens. Mal verdoppeln sie nur das, was man sowieso auf der Bühne sieht. Doch immer standen sie in irgendeinem Verhältnis zur Bewegung realer Schauspielerinnen und Schauspieler in einem realen Bühnenbild.
Am 2.
Dezember 2018 hob sich nun in Genua der Vorhang zu einer neuen «Aida» mit vielen, sehr vie-len Videoprojektionen: Pyramiden, Sphinxen, Anmutungen der Wüste, Tempeln, kurz: allem, was das kulinarische Herz begehrt – mit Computer-Design, zum Teil sogar in «3D» gestaltet. Doch abgesehen von nackten Wänden im Hintergrund der Bühne ganz ohne Bühnenbilder. Die Videoprojektion ersetzt die eigentliche In-Szenierung. Das Ei des Kolumbus für Häuser, die Neues ausprobieren möchten? Immerhin war ja der Entdecker bis dahin virtueller Kontinente gebürtiger Genuese.
Wohl kaum. Monica Manganellis Konzept scheint auch aus der Not geboren. Aufgrund von Sparmaßnahmen fehlt den Opernhäusern im verwöhnten Norden Italiens das Geld an allen Ecken und Enden. Warum also nicht die Ausgaben ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Einspruch aus dem Elfenbeinturm, Seite 65
von Anselm Gerhard
Er hat es geschafft, wieder einmal. In einem unmöglichen, halb verunglückten, krausen Kunstwerk den zeitlos gültigen Kern freizulegen. Zu jenen verborgenen Kräften vorzudringen, die von Anbeginn die menschliche Existenz befeuern – im Guten wie im Schlechten. Liebe und Hass, mit allen Zwischentönen – das ist das große, nie erledigte Thema, dem sich Christof Loy...
Also schön, spielen wir das Spiel vom Tod. Tun wir so, als ob die Musik zu ihrem Recht käme und der Verschwörerwille an sein Ziel: den Herrscher zu stürzen, wie auch immer es geschehe. Geben wir ihnen, wonach ihr Sinn begehrt, führen wir sie aufs Glatteis ihrer Wahrnehmung, legen wir, hämisch grinsend, ihre tiefsten Wünsche frei ...
Es ist die Perfidie in...
Wer tief in die deutsche Seele blicken will, muss bei Mitternacht in die Wolfsschlucht. Jenes vermeintlich schicksalsschwere c-Moll-Gebiet, dessen Konturen erst sichtbar werden, nachdem sich der fis-Moll-Nebel verzogen hat und Samiel auf den Plan tritt. An diesem schauderhaften Ort samt seiner meteorologischen Unmöglichkeit (zwei Gewitter zucken gleichzeitig aus...
