«Der fliegende Holländer». Foto: Thomas Buennigmann
Flucht nach vorn
Zwar stürmte es nicht wie einst bei Richard Wagners Fahrt mit der Thetis durch das Kattegat. Dennoch brachte das Tief «Alfred» Ende Juli solche Wassermassen mit sich, dass selbst im baden-württembergischen Heidenheim die traditionellen Opernfestspiele mit schlechtem Wetter und erstaunlich niedrigen Temperaturen zu ringen hatten.
So war nicht nur bei der organisatorischen und künstlerischen Leitung das «Wo» eine wiederkehrende Frage, blieb doch das mit viel Aufwand aufgebaute Bühnenbild im Rittersaal der mittelalterlichen Schlossruine Hellenstein mit Ausnahme des allerletzten Abends unbespielt. Um unter solchen Bedingungen nicht die Segel streichen zu müssen, bedarf es guter und vorbereiteter Alternativen. So fährt Heidenheim seit Jahren für die große Open-Air-Produktion zweigleisig: Auch für das gegenüberliegende, 2009 eröffnete Congress Centrum wird eine verkleinerte Kopie des Bühnenbilds vorgehalten; die Tickets weisen an beiden Spielorten Reihe und Platz zu; ein Wettertelefon macht den Abend planbar.
Dass der nüchterne Saal im CCH wahrlich kein schlechtes Ausweichquartier darstellt, sondern akustisch eine ganze Inszenierung transportieren kann, zeigte auch in dieser Saison ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Panorama, Seite 64
von Michael Kube
Zwei Knaben in Kniehosen jagen durchs Schilf. Erklimmen einen Baum, balancieren durchs sumpfige Gelände. In dem Film, mit dem Claus Guth seine «Clemenza»-Inszenierung angereichert hat, erkennen wir das linke Ufer von Glyndebournes Seerosenteich samt den dahinterliegenden Hügeln – und in den Jungs Tito und Sesto. Ihre Kindheitsfreundschaft, die Sesto nach dem...
Gut möglich, dass all die Bearbeiter, Neu(ver)fasser, Zurechtstutzer, Simplifizierer ein Problem haben: Ihre Arbeit erzählt vielleicht mehr über sie selbst als über dieses Stück. Als ob man es Carl Maria von Weber übel nahm, dass er nach der «Euryanthe» mit dem «Oberon» einen Rücksturz in angeblich einfacher gestrickte Singspielzeiten erlitten habe. Die offene...
Als gewichtige dramaturgische Instanz steht der himmlische Wetterbeauftragte Petrus an den Seebühnen-Spieltagen immer im Zentrum des Bregenzer Interesses. Ein künstlerisch und administrativ allerdings leider nicht befriedigend kontrollierbarer Faktor. So kursierte in den Stunden vor der «Carmen»-Premiere, als sich von Südwesten her drohend Wolkenberge türmten,...
