Flotter Ton, sonst Flaute
Der Anblick von Kreuzfahrtschiffen, die durch den Canale della Giudecca pflügen, gehört mittlerweile ebenso zum Image der Lagunenstadt wie das Taubenvolk vom Markusplatz oder die Rialtobrücke. Insofern ist es konsequent, wenn in der Inszenierung von Johann Strauß’ «Eine Nacht in Venedig» bei den Seefestspielen Mörbisch eines dieser vielstöckigen Monsterboote die Bühne dominiert.
Wenn Regisseur Karl Absenger die Karnevalshandlung dann aber heiter-naiv abspulen lässt, ohne die Problematik der desaströsen Tourismusstrategie wenigstens zu streifen, ist das selbst für eine massentaugliche Sommerproduktion zu kurz gegriffen. Absengers Modernisierungsversuch des 1883 uraufgeführten Stücks bleibt überhaupt in Oberflächlichkeiten stecken: Handys und Gegensprechanlagen kommen zwar ebenso vor wie zeitgenössische Fäkalausdrücke, die Personenführung aber bleibt konventionell, mit deutlichen Defiziten im szenischen Timing.
Schade, denn musikalisch hat die Produktion Klasse. Mit Herbert Lippert ist in der Erstbesetzung ein Herzog von Rudolf Schock’schem Format zu erleben. Die Buffo-Paare werden von jungen, schauspielstarken Solisten verkörpert, den Delaqua gibt Sängerlegende Heinz Zednik. ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Frederik Hanssen
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Abschied
Er war zunächst Autolackierer und besaß einen eigenen Betrieb in seiner Heimatstadt Graz, bevor er sich 1960 zu einem Gesangsstudium entschloss und bereits vier Jahre später als Graf Almaviva in Rossinis «Barbier von Sevilla» debütierte. Von 1967 bis 1969 war Josef Hopferwieser am Opernhaus Essen engagiert, dann von 1969 bis 1973 festes Ensemblemitglied der...
In seiner 40. Saison bot das Glimmerglass Festival in sämtlichen Produktionen Bemerkenswertes. Leonard Bernsteins «Candide» wurde, seit die Uraufführung 1956 zum Flop geriet, bereits in zahlreichen Bearbeitungen aufgeführt. In Glimmerglass kombinierte man jetzt eine Fassung der Scottish Opera (1988) und das Textbuch von John Caird (1999). Die Inszenierung nahm...
