Etwas zahnlos

Brecht/Weill: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny an der Oper Athen

Opernwelt - Logo

Ein Lob vorweg: In der Neuproduktion von Kurt Weills und Bertolt Brechts «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» an der Griechischen Nationaloper sind alle acht Solisten sowie vier der sechs Chorus-Mädchen Einheimische. Ihre Diktion des Deutschen ist durchweg gut, im Fall von Anna Agathonos als Witwe Begbick sogar geschliffen – und auch der durch Agathangelos Georgakatos mit hörbarer Sorgfalt vorbereitete Chor irritiert beziehungsweise amüsiert nur ausnahmsweise mit exotischen Aussprachen.

Ein Tadel gleich hinterdrein: Die schlechte Akustik macht diese löblichen Bemühungen weitgehend zunichte. Insbesondere im ersten Akt tönen die Sänger, als stünden sie in den Kulissen: Ihre Stimmchen umgibt ein halliger Halo, das Gros der Konsonanten schluckt ein gefräßiger Watteteppich. Dieses Defizit raubt der Aufführung Entscheidendes an Präsenz.

Liegt es hieran, dass das Sängerensemble, Solisten wie Chorsänger, insgesamt wenig Profil gewinnt? Das Gründertrio der Goldstadt trägt durchaus individuelle Züge: Begbick eine «Pique Dame»-Gräfin, die im Wilden Westen Salon hält, Fatty (Christos Kechris) ein frettchenhafter Lude mit pomadisiertem Mafioso-Tenortimbre, Drei -einigkeitsmoses (Tassos ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Marc Zitzmann

Weitere Beiträge
Habe Dank!

Der Glaube, so sagt man, sei imstande, ganze Gebirgsketten zu versetzen. Der Aberglaube hingegen vermag Menschen in herbe Nöte zu stürzen, denen sie problemlos und bequem entweichen könnten, würden sie der Statistik vertrauen. Die besagt nämlich auch im Fall des berühmten Phänomens «Freitag, der Dreizehnte», dass an diesem Tag nicht mehr und auch nicht weniger...

Einfach himmlisch

Eine gute Stunde Glück? Kein Problem. Man greife zu diesem Album, schiebe es in den CD-Player und lausche selige 66 Minuten, dann besteht kein Zweifel mehr: Das Glück ist nicht immer anderswo und ganz einfach zu erheischen. Jedenfalls dann, wenn eine Sängerin vom Format Sabine Devieilhes, die sich mit ihren gleichermaßen stilistisch distinguierten und dramatisch...

Pfahl im Fleische, Türen ins Nichts

Blicken wir, nur für eine flüchtige Weltsekunde, zurück und denken dabei an jenen hastig hingehackten Satz, den der frisch geadelte Herr von Faninal im zweiten Akt von Strauss’ «Rosenkavalier» singend ausspricht: «Ein ernster Tag, ein großer Tag, ein Ehrentag, ein heil’ger Tag.» Ein solch denkwürdiges Datum ist auch der 27. April 1784. Tout Paris ist auf den...