Fertig geschmiedet

Keilberths Bayreuther «Ring» von 1955 ist nun vollständig

Opernwelt - Logo

Der Bayreuther «Ring» von 1955, dessen Teilveröffentlichung durch das britische Label Testament im vergangenen Sommer eine Sensation auf dem bewegten Histo-Markt war, liegt nun komplett vor. «Das Rheingold» und «Götterdämmerung» bestätigen und vertiefen die damaligen Eindrücke (vgl. OW 9-10/2006). Eine Aufnahme von seltener Geschlossenheit und auch in klangtechnischer Hinsicht den anderen Bayreuther Live-Dokumenten aus den fünfziger Jahren überlegen. Die Aufnahmetechnik der Decca machte es möglich.


Mehr noch als in den Aufführungen Hans Knappertsbuschs kann man in diesem von Joseph Keilberth dirigierten «Ring» den Stil des Neuen Bayreuth erkennen, denn der Entrümpelung der Szene entspricht die Entschlackung des Klangs. Mit der «Götterdämmerung» ist Keilberth fünfundzwanzig Minuten eher fertig als sein Kollege Knappertsbusch, aber es entsteht nirgends der Eindruck von Eile. Die Wahl der Tempi wirkt ebenso wie die der Dynamik immer organisch, es entsteht insgesamt ein ruhiger Erzählfluss, der die gesungenen Dialoge in heute nicht mehr üblicher Plastizität hervortreten lässt. Wolfgang Windgassen und Astrid Varnay vertiefen in der «Götterdämmerung» ihre ausgefeilten und passionierten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2007
Rubrik: CDs, Seite 62
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der Mann vom Meer

Nicht nur einmal passiert es an diesem Abend, dass man an den Titel eines Romans von George Perec erinnert wird, der paradigmatisch steht für den Versuch der Spezies Mensch, sich zurechtzufinden im irdischen Labyrinth: «Das Leben. Eine Gebrauchsanweisung», so hat Perec sein Gesellschaftsgemälde genannt, in dem die Menschen durch das Bild der Welt und durch ihr...

Wie ein Kondukt

Mit ihrer Entscheidung für «La resurrezione», Oratorio in due parti, haben die  Karlsruher zum 30. Jubiläum ihrer Händel-Festspiele eins der schwächeren Werke Händels als Hauptbeitrag gewählt. Komponiert vom Dreiundzwanzigjährigen auf seiner zweiten Rom-Reise 1708, gehört diese «Auferstehung» zu jener Spezies der «Opera proibita», die während des von Papst Innozenz...

Gentleman-like

Die Reihe der Live-Mitschnitte konzertanter Opernaufführungen mit Colin Davis und dem London Symphony Orchestra geht in die nächste Runde. Nach «Falstaff», «Les Troyens» und «Peter Grimes» liegt nun auch Beethovens «Fidelio» vor. Erstmals jedoch handelt sich um eine SACD-Produktion.
Der Unterschied zwischen dem Stereo- und Surround- Format ist hier so deutlich zu...