Fatale Begierde

Christiane Lutz und Stefan Vladar erkunden in Lübeck mit geschärftem Blick die Obsessionen in Strauss’ «Salome»

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Unter den Zahlen ist sie, wenn schon nicht die allein glückseligmachende, so doch zumindest die mit dem größten magischen Potenzial.

 SiebenTage dauerte die Schöpfung, sieben Weltwunder sind verzeichnet, auf sieben fette folgen (der Josefsgeschichte zufolge) stets sieben magere Jahre, auch die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz sprechen eine deutliche (biblische) Sprache; und selbst die Poesie unseres Alltags verzeichnet die Zahl als bedeutsam, denken wir an die elegisch-existenziellen Refrainzeilen in Peter Maffays populärstem Lied: «Über sieben Brücken musst du geh’n, / sieben dunkle Jahre übersteh’n, / siebenmal wirst Du die Asche sein, / aber einmal auch der helle Schein» – was mit einiger Fantasie vielleicht sogar eine Anspielung auf die Lichtgestalt Gustav Mahler sein könnte, der anno 1860 am siebten Tag des siebten Monats das Licht jener Welt erblickte, der er später abhanden kam. 

Kaum zufällig (der stoffliche Urgrund legt es nahe) spielt die Zauberzahl auch in Richard Strauss’ «Salome» eine hervorstechende Rolle: Siebenmal wiederholt die Tochter der Herodias, wonach sie verlangt, was sie konkret zu haben wünscht: «den Kopf des Jochanaan». Und hat der Tetrarch sechsmal ...

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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten

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