Fatale Begierde
Unter den Zahlen ist sie, wenn schon nicht die allein glückseligmachende, so doch zumindest die mit dem größten magischen Potenzial.
SiebenTage dauerte die Schöpfung, sieben Weltwunder sind verzeichnet, auf sieben fette folgen (der Josefsgeschichte zufolge) stets sieben magere Jahre, auch die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz sprechen eine deutliche (biblische) Sprache; und selbst die Poesie unseres Alltags verzeichnet die Zahl als bedeutsam, denken wir an die elegisch-existenziellen Refrainzeilen in Peter Maffays populärstem Lied: «Über sieben Brücken musst du geh’n, / sieben dunkle Jahre übersteh’n, / siebenmal wirst Du die Asche sein, / aber einmal auch der helle Schein» – was mit einiger Fantasie vielleicht sogar eine Anspielung auf die Lichtgestalt Gustav Mahler sein könnte, der anno 1860 am siebten Tag des siebten Monats das Licht jener Welt erblickte, der er später abhanden kam.
Kaum zufällig (der stoffliche Urgrund legt es nahe) spielt die Zauberzahl auch in Richard Strauss’ «Salome» eine hervorstechende Rolle: Siebenmal wiederholt die Tochter der Herodias, wonach sie verlangt, was sie konkret zu haben wünscht: «den Kopf des Jochanaan». Und hat der Tetrarch sechsmal ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten
Arme Nymphe. Allein ist sie, verraten und vielleicht sogar «verkauft». Derjenige, dem sie ihre reine Liebe schenkte, hat sie schmählich im Stich gelassen. Und trotzdem hofft die Gute, der Liebste möge zurückkehren. Also singt sie das anmutigste Lied, das ihr auf der Zunge, in der Kehle liegt, singt es mit dem allergrößten Sehnen, voller Inbrunst, dabei aber leise,...
JUBILARE
In trüben Tagen, nämlich exakt zehn Tage vor Hitlers «Machtergreifung» (also am 20. Januar 1933), wurde Barbara Scherler in Leipzig geboren. Scherler studierte Gesang in Berlin und feierte 1959 mit 26 Jahren ihr Debüt an der Staatsoper Hannover, wo sie den Cherubino in Mozarts «Le nozze di Figaro» gab. Nach ihrem Engagement im Ensemble des Hauses in der...
Einige der Bilder dieses Abends am Théâtre La Monnaie behaupten sich in einer Art von surrealem Selbstbewusstsein. Etwa die lebensgroße Kuh samt dazugehörigen Bilderbuchmägden – auf das sich Baron Ochs mit frischgemolkener Milch bekleckern kann. Oder die weißen, langsam aufsteigenden Luftballons, mit denen die Überreichung der Silberrose illustriert wird. Die...
