Über den Wolken
Arme Nymphe. Allein ist sie, verraten und vielleicht sogar «verkauft». Derjenige, dem sie ihre reine Liebe schenkte, hat sie schmählich im Stich gelassen. Und trotzdem hofft die Gute, der Liebste möge zurückkehren. Also singt sie das anmutigste Lied, das ihr auf der Zunge, in der Kehle liegt, singt es mit dem allergrößten Sehnen, voller Inbrunst, dabei aber leise, verzweifelt, fast mehr nach innen gerichtet als nach außen, mit ihrer zart-einflüsternden Stimme.
Monteverdis Lamento della Ninfa «Amor, amor» zählt zu den schmerzlich-schönsten Klageliedern aus der Feder des Komponisten, und wenn Regula Mühlemann es nun auf ihrem Album darbietet, dann weiß man wieder, warum das so ist. In beinahe jedem Ton hört man, dass die Sopranistin vom Barock kommt, dass sie ihre Stimme dort geschult hat, und vor allem: ihre Art zu deklamieren, den Text auszudeuten, die musikalischen Verläufe dynamisch auszutarieren. Nichts in diesem Gesang ist outriert, ausgestellt, sondern stets den Affekten der Musik abgelauscht, ihrem semantischen Unterbau. Die Insistenz, sie liegt in der Musik selbst, nicht in ihrer Darstellung.
Erneut hat Regula Mühlemann (wie schon bei den vorbildlich konzipierten ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 23
von Jürgen Otten
Frau Rutigliano und Frau Mendrala, wo sind Sie und Ihre Kinder gerade?
Julia Rutigliano: Ich probe gerade in Schwerin. Mein Sohn ist bei meiner Mutter in München.
Annika Mendrala: Auf dem Weg nach Bern, da leite ich den Studiengang CAS Singstimme. Dann sind gleich wieder Proben für ein Konzert in Hamburg, wo ich auch lebe. Die Kinder sind bei meinem Mann und den...
Ja selbst die Dümmsten, ja, die wirklich Doofen,
Die wissen: Hier, der Dings aus Bonn, der Typ
Der taub war und der deshalb ganz schön trüb
Gelaunt war und viel Zeit vor’m Zimmerofen
Verbrachte und den Rest der Zeit die Strophen
Der neunten Symphonie nach Schiller schrieb
Und dabei immer nur Zuhause blieb,
Ganz heiß gar auf stets neue Katastrophen!
Wie hieß der...
Wir nehmen an, es war eisig kalt an diesem 27. Februar 1675 in London und vermutlich neblig dazu. Draußen zumindest. Drinnen aber, im frisch renovierten Dorset Garden Theatre, brannte sogar die Luft. Ein Spektakel gab es da zu erleben, das seinesgleichen suchte, mit Höllenund Himmelsmaschinen, üppigen Kostümen, frech-frivolen Tanzeinlagen und einer hinreißenden wie...
