Über den Wolken
Arme Nymphe. Allein ist sie, verraten und vielleicht sogar «verkauft». Derjenige, dem sie ihre reine Liebe schenkte, hat sie schmählich im Stich gelassen. Und trotzdem hofft die Gute, der Liebste möge zurückkehren. Also singt sie das anmutigste Lied, das ihr auf der Zunge, in der Kehle liegt, singt es mit dem allergrößten Sehnen, voller Inbrunst, dabei aber leise, verzweifelt, fast mehr nach innen gerichtet als nach außen, mit ihrer zart-einflüsternden Stimme.
Monteverdis Lamento della Ninfa «Amor, amor» zählt zu den schmerzlich-schönsten Klageliedern aus der Feder des Komponisten, und wenn Regula Mühlemann es nun auf ihrem Album darbietet, dann weiß man wieder, warum das so ist. In beinahe jedem Ton hört man, dass die Sopranistin vom Barock kommt, dass sie ihre Stimme dort geschult hat, und vor allem: ihre Art zu deklamieren, den Text auszudeuten, die musikalischen Verläufe dynamisch auszutarieren. Nichts in diesem Gesang ist outriert, ausgestellt, sondern stets den Affekten der Musik abgelauscht, ihrem semantischen Unterbau. Die Insistenz, sie liegt in der Musik selbst, nicht in ihrer Darstellung.
Erneut hat Regula Mühlemann (wie schon bei den vorbildlich konzipierten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 23
von Jürgen Otten
Oper, das war im 18. Jahrhundert vergängliche Gebrauchskunst. Ungewöhnlich genug also, dass Maria Antonia Walpurgis Symphorosa von Bayern ihre «Talestri, regina delle Amazzoni» bald nach der Uraufführung 1763 in Dresden drucken ließ. Und noch etwas ist ungewöhnlich an der Oper innerhalb ihrer Epoche: die stringente, alle Fäden psychologisch stimmig zusammenführende...
Cottbus hat eines der schönsten Theaterhäuser Deutschlands, den 1908 von Bernhard Sehring errichteten, unversehrt gebliebenen Jugendstilbau. In dem Vierspartenhaus wird inhaltlich und ästhetisch Vielschichtiges, zuweilen Bedeutsames auf die Beine gestellt. Dabei erinnert Intendant Stephan Märki sein Publikum gerne daran, «wie brüchig unser Leben ist». Solcher...
Die französische Barockoper ist außerhalb Frankreichs noch immer ein seltener Gast auf den modernen Bühnen. In Deutschland macht sie sich besonders rar. Einzig Rameaus bösartige Farce von der hässlichen Sumpfnymphe Platée und ihrer geplatzten Hochzeit mit dem Göttervater Jupiter hat es zu größerer Bekanntheit gebracht. Ein ganzes Jahrhundert zwischen Lullys und...
