Farbige Klangrede
«Leicht will ich’s machen dir und mir», singt die Marschallin im «Rosenkavalier». An Opernaufführungen im Festsaal von Schloss Esterházy hat sie dabei freilich nicht gedacht. Denn den in sich geschlossenen barocken Raum für Bühnenaufführungen zu nutzen, den wunderbaren Fresken und Deckengemälden Carpoforo Tencallas theatralische Bilder entgegenzusetzen, ist eine überaus schwierige Aufgabe. Seit 1994 stellten sich Regisseure und Bühnendesigner bei den Haydn Festspielen in Eisenstadt dieser Herausforderung mit wechselndem Erfolg.
Bei «L’anima del filosofo» (1791), der in diesem Jahr herausgebrachten letzten Produktion des Zyklus der Opern Joseph Haydns, fand Ausstatterin Alexia Redl für Michael Schilhans Inszenierung eine praktikable Lösung: einen transparenten, dank Frank Sobottas Licht-Design schwerelos wirkenden Würfel als Teatrum mundi. In diesem gerierten sich Schilhans szenische Etüden über dieses merkwürdige Stück mit dem ungelösten Rätsel des Titels (Wer ist die Seele? Wer der Philosoph?) als revuehafte Zeit- und Lebensreise – bis hin zum musikalisch seltsam offenen, geradezu nihilistischen, in leisem Entsetzen versickernden Schluss, nachdem der Künstler Orpheus von Mänaden ...
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Edgar Allan Poe hat es auf den Punkt gebracht: «Was das Publikum in einer Zeitschrift sucht, ist das anderswo nirgends Beschaffbare.» Das gilt auch und gerade für den Inseratenteil von Zeitungen. Keiner hat sich darüber lustiger gemacht als Gioacchino Rossini in seinem Dramma per musica «La gazzetta», frei nach Goldonis Stück «Il matrimonio per concorso», mit dem...
Es ist ein schönes Bellini-Paket, das TDK nach «Beatrice di Tenda» aus Zürich von 2001 mit «La sonnambula» aus Florenz (2004), «Norma» aus Parma (2001) und «I puritani» aus Barcelona (2001) geschnürt hat – mit drei Primadonnen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, und drei Stücken, die die ganze Bandbreite des Komponisten zwischen romantischem Märchen,...
Tokio, Ende September. In den Katakomben der Kongress- und Konzerthalle Bunka Kaikan. «Tannhäuser», erster Aufzug. Auf der Bühne schmettert Venus (alias Waltraud Meier) gerade dem zur Abreise entschlossenen Titelhelden (alias Robert Gambill) die Wut der düpierten Liebhaberin ins Gesicht: «Nie wird Vergebung dir zuteil.» Hinter den Kulissen schleicht bereits Matti...
