Farbige Klangrede
«Leicht will ich’s machen dir und mir», singt die Marschallin im «Rosenkavalier». An Opernaufführungen im Festsaal von Schloss Esterházy hat sie dabei freilich nicht gedacht. Denn den in sich geschlossenen barocken Raum für Bühnenaufführungen zu nutzen, den wunderbaren Fresken und Deckengemälden Carpoforo Tencallas theatralische Bilder entgegenzusetzen, ist eine überaus schwierige Aufgabe. Seit 1994 stellten sich Regisseure und Bühnendesigner bei den Haydn Festspielen in Eisenstadt dieser Herausforderung mit wechselndem Erfolg.
Bei «L’anima del filosofo» (1791), der in diesem Jahr herausgebrachten letzten Produktion des Zyklus der Opern Joseph Haydns, fand Ausstatterin Alexia Redl für Michael Schilhans Inszenierung eine praktikable Lösung: einen transparenten, dank Frank Sobottas Licht-Design schwerelos wirkenden Würfel als Teatrum mundi. In diesem gerierten sich Schilhans szenische Etüden über dieses merkwürdige Stück mit dem ungelösten Rätsel des Titels (Wer ist die Seele? Wer der Philosoph?) als revuehafte Zeit- und Lebensreise – bis hin zum musikalisch seltsam offenen, geradezu nihilistischen, in leisem Entsetzen versickernden Schluss, nachdem der Künstler Orpheus von Mänaden ...
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Am Ende singen sie doch noch. Geradezu erlösend wirkt der vokale Glücksmoment, den Isabel Mundry in ihrer «Odyssee» dem Helden und seiner Gattin Penelope vergönnt: Eine späte zwischenmenschliche Tonwerdung, an der auch die Vergänglichkeit dieser Begegnung nichts ändern kann. Denn obwohl Odysseus anschließend weiterziehen muss, hat er durch die Überwindung der...
Tokio, Ende September. In den Katakomben der Kongress- und Konzerthalle Bunka Kaikan. «Tannhäuser», erster Aufzug. Auf der Bühne schmettert Venus (alias Waltraud Meier) gerade dem zur Abreise entschlossenen Titelhelden (alias Robert Gambill) die Wut der düpierten Liebhaberin ins Gesicht: «Nie wird Vergebung dir zuteil.» Hinter den Kulissen schleicht bereits Matti...
Noch heute sind die Burg von Turku in der Nähe des südlich gelegenen Hafens und der Dom am Nordrand des Zentrums Eckpfeiler einer Stadtbesichtigung. Zwei auf Schwedisch komponierte Opern (bis 1800 war Turku als Åbo die zweitgrößte schwedische Stadt!) spiegeln die Historie an diesen zentralen Orten: «Daniel Hjort» von Selim Palmgren spielt 1599 auf der Burg und...
