Mut der Verzweiflung
Alexander von Zemlinsky ist in der argentinischen Kapitale so gut wie unbekannt. Von seinen wichtigen Werken war in Buenos Aires lediglich die «Lyrische Symphonie» zu hören (1997). Die Maeterlinck-Lieder, die Quartette, das Trio – all dies harrt nach wie vor einer Aufführung. Das Gleiche galt bis vor kurzem für Zemlinskys Opern.
Erst der ehemalige Colón-Intendant Tito Capobianco ging das Wagnis ein, «König Kandaules» auf den Spielplan zu setzen: Das unvollendet hinterlassene, von Antony Beaumont komplettierte Opus wurde damit zum ersten Mal überhaupt auf dem amerikanischen Kontinent in Szene gesetzt (dabei hatte Zemlinsky es in den USA komponiert).
Allerdings fielen die Vorstellungen mitten in eine Phase scharfer Auseinandersetzungen am Colón. In den seit langem schwelenden Konflikten geht es um die Bezahlung des fest angestellten Personals. So begann schon die Premiere mit einer fünfzigminütigen Verspätung, die zweite Vorstellung fing eine Stunde später als annonciert an. Die dritte wurde schließlich abgesagt, das bereits platzierte Publikum nach Hause geschickt. Und die vierte Aufführung kam nur auf Grund einer in allerletzter Minute erzielten Vereinbarung zwischen einer der in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Riesenbühne der Pariser Bastille-Oper lädt zu großen Bildvisionen ein. Warum nur, wie’s im Textbuch steht, eine enge nächtliche Straße mit schäbiger Taverne im Hintergrund, wenn man sich gleichsam das ganze Paris in Form einer Landschaft aus Dächern, Kaminen, hohen Mietskasernen im Hintergrund und unter einem nachthellen Himmel auf die Szene zaubern kann?...
Roberto de Simone, erfahrener neapolitanischer Musik- und Theatermann, erfüllte sich einen alten Traum, indem er Paisiellos komische Oper «Socrate immaginario» aus dem Jahr 1775 im Teatro San Carlo inszenierte. Von seinem Musiklehrer Anfang der fünfziger Jahre auf die Buffa aufmerksam gemacht, ließ ihn diese spöttisch-ironische Burleske, bei der sich die...
Geschlossene Aufführungen von Puccinis «Trittico» sind rar. Das war schon nach der Uraufführung am 14. Dezember 1918 in New York absehbar. Die drei völlig unterschiedlichen Geschichten – «Il tabarro» spielt im großstädtischen Paris der Jahrhundertwende, «Suor Angelica» in einem abgeschiedenen Nonnenkonvent, «Gianni Schicchi» 1299 in Florenz – überzeugten das...
