Familienbande

Marc Minkowski und Martin Kusej halten am Londoner Royal Opera House Mozarts «Idomeneo» auf Distanz

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Unterwegs in Londons «Tube» – nach der Premiere von Mozarts «Idomeneo» an Covent Garden – bleibt unser Blick zufällig an einem kuriosen Plakat hängen, einer Werbung der «London Sperm Bank». Wie Pappkameraden sind die Silhouetten von Männern aufgereiht, jeder mit einem Label: teacher, actor, model, lawyer etc. Samenspender zum Ankreuzen; Nachwuchs-Design ohne Feindberührung.

Wir erlauben uns ein Gedankenspiel: Was, wenn die Mutter des Idamante eine solche Wahl treffen und eine Schießbudenfigur mit dem Titel «König» hätte ankreuzen können, Idomeneo als Spender aber anonym geblieben wäre? Nie hätte der Herrscher auf Kreta gewusst, dass der Junge sein Sohn ist. Das von ihm mit Neptun für die Rettung aus Seenot verabredete Opfer wäre ohne Skrupel vollzogen worden, auch die Kreter hätten nicht gemurrt, die alte, vermeintlich gottgewollte Ordnung wäre intakt geblieben. Und wir wären um eine der schönsten – und wohl auch schwierigsten – Opern gebracht worden. Hätten natürlich auch die neue Realisierung an der Royal Opera durch Marc Minkowski und Martin Kusej nicht miterlebt. Und wären nicht mit gemischten Gefühlen rausgegangen.

Kusej, Chef des Münchner Residenztheaters, gab mit dem ...

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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Gerhard Persché

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