Fabrikhallenfolklore
Seltsam, dass das im Nationaltheater München keiner komisch findet. Wenn die Solo-Posaune, drastisch vom b übers a und as zum g herabschmierend, postkoitale Erschlaffung illustriert und acht Takte später noch dreimal, im Gestus ähnlich, mit fallender Sekunde von versiegender Manneskraft quäkt. Es ist eine berühmt-berüchtigte Opernszene, unverstellt hat Dmitri Schostakowitsch in seiner Oper «Lady Macbeth von Mzensk» den Geschlechtsakt in Musik gesetzt – weil er, der nicht einmal 30-jährige Meisterorchestrator, es halt konnte.
Wie gepeitscht rammelt das Orchester und jault zum Höhepunkt auf. Das ist brutal und in seiner comicartigen Überzeichnung zugleich komisch – Schostakowitsch, ein Mann des Sowohl-als-auch. Aber bei der Premiere an der Bayerischen Staatsoper lacht keiner.
An Kirill Petrenko und dem alsbald aus einigen Ungenauigkeiten herausfindenden, fortan hochvirtuos aufspielenden Bayerischen Staatsorchester – besonders die vom Komponisten stark geforderten Holzbläser brillieren mit kaltem Witz – kann’s nicht liegen. In jedem Takt wird deutlich, dass der Noch-Generalmusikdirektor, wie es seine Art ist, jeden Ton wiegt, in seine Ordnung bringt, und keinen ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Götz Thieme
Zu den kritischen Topoi bei der Beurteilung junger Sänger gehört der Hinweis auf die fehlende «Reife». Hört man aber später die «Gereiften», vermisst man gerade die Frische der Jugend. Die Frage mag sich ganz besonders bei Elisabeth Schwarzkopf stellen. Vor knapp einem Jahr brachte Warner (als Erbverwalter der EMI) die Recitals heraus, die zwischen 1952 und...
Die Wohnung hat keine Katzenklappe. Dafür eine hohe Gründerzeit-Tür, die ins Nichts hineinführt, in den freien Fall. Auch der Rest des Bühnenbildes am Staatstheater Hannover hängt buchstäblich in der Luft, als eine Kippfigur, schräg und surreal, wie die zwölftönig zwitschernden Fabeltiermenschen, die es bevölkern.
Einen Spaß hatte Hans Werner Henze sich machen...
Die Effekte sind schon ziemlich spektakulär: Dass Peter Pan und seine Londoner Freunde über die Bühne fliegen, wird natürlich erwartet. Aber der Junge, der niemals erwachsen werden will, kann auch Wände hochlaufen, und in Jason Southgates puppenstubigem Bühnenbild gibt es eine Eisenbahn-Strecke, über die nicht nur altmodische U-Bahn-Waggons ruckeln, sondern...
