Charmant verschroben
Die Effekte sind schon ziemlich spektakulär: Dass Peter Pan und seine Londoner Freunde über die Bühne fliegen, wird natürlich erwartet. Aber der Junge, der niemals erwachsen werden will, kann auch Wände hochlaufen, und in Jason Southgates puppenstubigem Bühnenbild gibt es eine Eisenbahn-Strecke, über die nicht nur altmodische U-Bahn-Waggons ruckeln, sondern auch die Schreibtische der Angestellten von Vater Darling, die Riesenbauklötze der Nimmerland-Jungsbande oder eine Haifischflosse auf Rädern.
Die Fee Tinker Bell ist dagegen ausschließlich als Projektion präsent – was ihr die angemessene magische Aura bewahrt.
Seit mehr als zehn Jahren ist man an der Komischen Oper stolz darauf, Musiktheater für die ganze Familie nicht nur auf Nebenschauplätzen, sondern im großen Saal anzubieten. Mit vollem Orchester, Solisten des Hauses sowie dem von Dagmar Fiebach formidabel betreuten Kinderchor. Prächtige Kostüme hat Nicky Shaw entworfen, kunterbunt für die Piraten, historisch-viktorianisch für die Londoner Bürgergesellschaft. Very British wirkt die ganze Optik, charmant verschroben und geistreich anspielungsvoll. In der Tat handelt es sich bei Keith Warners Inszenierung um ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Frederik Hanssen
Die Stadt, welche die Römer «Felicitas Julia» nannten und in der (fast) immer die Sonne scheint, besinnt sich neuerdings wieder auf ihre glückliche Vergangenheit. Sogar das Teatro Nacional de São Carlos scheint sich, obwohl finanzielle Zwänge immer noch wie ein Damoklesschwert über der Kompanie hängen, von der Sparpolitik der letzten Jahre zu erholen.
Beispie...
Liebe, so befand Stendhal, beginne mit Verwunderung. Welche der vier antiken Grundarten dieser schönsten aller Lebensformen der französische Romancier und Essayist damit im Sinn hatte – ob Philia oder Agape, Storge oder Eros –, das präzisierte er nicht; wir dürfen allerdings davon ausgehen, dass er platonisches und erotisches Ideal in eins setzte, darin Mozart...
Als die Wolken am Horizont aufzogen, war das ingegno sublime gewappnet. Mochte die Konkurrenz von der «Opera of the Nobilities» ihm seine Starsänger mit astronomischen Summen abspenstig machen – und war es offenkundig, dass der Opera seria in England keine rosige Zukunft bevorstand –, er, Georg Friedrich Händel, blieb gelassen. Schließlich hatte er schon...
