Exil für eine populäre Gattung
Es ist nicht überliefert, ob Giuseppe Verdi Otto Nicolais Oper «Die lustigen Weiber von Windsor» gekannt hat, die zur Zeit der Arbeit am «Falstaff» erstmalig auf italienischen Spielplänen erschien. Dennoch sind die Wege der beiden Komponisten auf merkwürdige Weise miteinander verbunden. Beide begannen ihre Laufbahn als Opernkomponisten im gleichen Jahr 1839 in Italien: Nicolai brachte in Triest seinen Erstling «Enrico II.» heraus, Verdi in Mailand seinen «Oberto».
Das Libretto zum «Nabucco» sollte ursprünglich Nicolai vertonen, der es aber ablehnte, während er wiederum ein anderes Opernbuch, «Il proscritto», akzeptierte, das zuvor von Verdi verschmäht worden war. Verdi hat den drei Jahre älteren Deutschen um mehr als ein halbes Jahrhundert überlebt, und der Zufall wollte es, dass auch er sein Lebenswerk mit einer Falstaff-Oper abschloss.
Mittlerweile hat Verdis Alterswerk der «komisch-romantischen» Oper seines einstmaligen Rivalen auf den deutschen Spielplänen den Rang abgelaufen. Doch in den Rundfunkanstalten erfreuen sich die «Lustigen Weiber» ungebrochenen Interesses. Erst vor fünf Jahren hat der WDR eine Aufnahme (ohne Dialoge!) produziert, die bei Capriccio auf CD ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Hoch hinaus wollte er schon als ganz junger Mann. Gerade fünfzehn war Christian Jost, da drückte er am Theater seiner Heimatstadt Trier als Ballettrepetitor die Klavierbank. Damals ahnte er bereits, dass der Begleitdienst an den Tasten auf Dauer nicht sein Ding war. So wenig wie eine Medizinerkarriere, die sich die Mutter so sehr wünschte. Oder ein...
Clemens Brentanos Geschichte vom bösen Königssohn Jerum, der guten Hexe Fanferlieschen Schönefüßchen und allerlei buntem Volk, das auf lustige Namen wie Würgipumpa, Fräulein von Ziegesaar, Pumpilirio Holzebocke oder Herr Neuntöter hört, ist eine vertrackte, vielfach verzweigte Geschichte. Alle hängen mit allem zusammen. Wer das komplexe Beziehungsnetz begreifen...
Alexander Borodins «Fürst Igor» ist ein Mythos der russischen Operngeschichte: ein nationales Epos, vom Meister unvollendet hinterlassen. Dieser Mythos vom titanischen Ringen beförderte das von Rimsky-Korsakow und Glasunow angeblich vollendete, in Wahrheit aber zum größeren Teil völlig neu komponierte Werk, ins Opernrepertoire – kein handelsüblicher Opernfüh-rer,...
