Everybody's Darling
Als eine Art pièce de résistance gilt Brittens «Billy Budd» innerhalb der opernaffinen Queer-Community. Der «schöne Matrose», der alle Bewunderung an Deck eines Kriegsschiffs auf sich zieht, wird gern als Bild latent homosexueller Arbeits- und Lebenszusammenhänge gedeutet. Und entspricht so möglicherweise sogar den Intentionen des Komponisten (dessen Lebenspartner Peter Pears in der Uraufführung 1951 den Kapitän sang). Entsprechend oft hat man hier viel nackten Thorax gesehen. Viel geölte Muskeln.
Und Star-Sänger, für welche der Begriff – innerhalb der Queer-Community der Oper – nicht zu Unrecht gebildet wurde.
Die mit der Londoner English National Opera und dem Bolschoi Theater koproduzierte Inszenierung von David Alden geht einen anderen Weg. Der kleine, ungewaschene Kerl mit den fettigen Haaren, der hier als Zwangsrekrutierter an Bord der «Indomitable» kommt, fällt kaum weiter auf. Er ist ein Everyman’s Billy. So wird die Faszinationskraft, die er auf die Mannschaft ausübt, ganz und gar zum Gegenstand von Projektion und psychologischer Konstruktion. Eine Sichtweise, die zumindest der Roman-Vorlage von Herman Melville besser entsprechen dürfte als jede andere Interpretation. Das ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Kai Luehrs-Kaiser
Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten» markieren eine kopernikanische Wende in der Operngeschichte. Die dort erstmals verwirklichte Vorstellung von der Kugelgestalt, «zu der sich die Zeit biegt» – in Zimmermanns Worten «der Gedanke von der Einheit der Zeit als Einheit von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft» –, hat das Musiktheater nachhaltig verändert. Das...
Stefan Zweig, der Librettist der «Schweigsamen Frau», kannte den Ablauf aus nächster Nähe: «Jede Art von Nervosität ist Strauss fremd, bei Tag und bei Nacht ist sein Kunstintellekt immer gleich hell und klar. Wenn der Diener an der Tür klopft, um ihm den Frack zu bringen zum Dirigieren, steht er auf von der Arbeit, fährt ins Theater und dirigiert mit der gleichen...
Frau Meyer, im Herbst 2015 wird das Haus am Offenbachplatz wiedereröffnet. Dann gibt es auch einen neuen Generalmusikdirektor – François-Xavier Roth, derzeit noch beim SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, wird Nachfolger von Markus Stenz. Oper war bisher nicht Roths Schwerpunkt. Was haben Sie miteinander vor?
Die Details kann ich natürlich noch nicht...
