Etappensieg
Es war der bis dahin wichtigste Abend seiner Karriere: Nachdem er Tamino und lange Florestan gesungen und sich über den «Meistersinger»-David, den «Holländer»-Steuermann und Rienzi ans Wagner-Fach herangearbeitet hat, debütierte der Niederösterreicher Andreas Schager jetzt als Siegfried beim «Ring» in Halle und Ludwigshafen – und eroberte die Herzen des Hallenser Publikums. Sein Tenor hat seit Tamino-Tagen einen metallisch harten Kern hinzugewonnen und trägt den ganzen Abend, ohne zu ermüden.
Der 40-Jährige, schlank, blond, großgewachsen, macht aus dem kühnen Knaben einen sympathisch-lockeren, unbekümmert und jungenhaft wirkenden Helden, der sich auf den Boden hockt, um Mime zu lauschen, und am Ende des zweiten Akts noch mal eben vor den Vorhang eilt, weil er dort Nothung vergessen hat.
Bei dieser Figur geht das Regiekonzept des Ludwigshafener Intendanten Hansgünther Heyme auf: Siegfried als Vertreter jenes neuen Geschlechts, das Wotan geschaffen hat, um die in Schuld verstrickte alte Welt zu retten. In anderer Hinsicht bleibt die szenische Arbeit oft im Illustrativen und Ungefähren. Wieder ist da die mit kryptischen Zahlen- und Buchstabencodes geschmückte schwarze Urnenwand, in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Udo Badelt
Impressum
53. Jahrgang Nr. 6
Opernwelt wird herausgegeben
vom Friedrich Berlin Verlag
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752244
Redaktion Opernwelt
Knesebeckstraße 59-61 | 10719 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 0
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe war
der 09.05.2012.
Redaktion:
Stephan Mösch
Albrecht...
Mariss Jansons wuchs zwar in der Oper von Riga auf, wo sein Vater dirigierte und seine Mutter die Carmen sang, aber seit er ein Weltstar ist, steigt er nur noch selten irgendwo in den Orchestergraben. Zu lange Probenzeiten, das Herz, fremde Orchester... Wenn es doch klappt, dann meist in Amsterdam. Dort hat die Oper kein eigenes Orchester, und der Maestro kann sein...
«Der Türke in Italien» – der Titel führt ein wenig in die Irre. Denn die Fremdheit des Protagonisten ist reine Behauptung und findet nicht einmal musikalischen Niederschlag. Dieser Selim ist eigentlich ein unbeschriebenes Blatt: die ideale Projektionsfläche für Wünsche und Fantasien. Regisseur David Hermann zieht daraus einen naheliegenden und doch verblüffenden...
