Atem der Tradition
Viereinhalb Jahrhunderte – wer vermag eine solche Zeitspanne zu fassen, mit lebendiger Geschichte zu füllen? Die Staatskapelle Berlin feiert 2020 den 450. Jahrestag ihrer ersten Erwähnung. Als Kurbrandenburgische Hofkantorei bzw. Hofkapelle wurde sie im 16. Jahrhundert ins Leben gerufen, mit einer größeren Anzahl von Sängern und einer weit geringeren an Instrumentalisten.
Mit dem heutigen großen, leistungsfähigen und vielfältig wirksamen Opern- und Sinfonieorchester hatte dieses eher bescheidene Ensemble eigentlich nichts zu tun – es begründete aber eine Tradition, auf die Berlin durchaus mit Stolz blicken darf. Unter den Kulturinstitutionen der Stadt ist die Staatskapelle jedenfalls eine der ältesten, und zudem eine, der es gelungen ist, über die Zeiten mit ihren unterschiedlichen politischen Konstellationen, tiefgreifenden Umbrüchen und mannigfachen Wandlungsprozessen hinweg Bedeutung zu bewahren und neue Relevanz zu gewinnen.
Über den ursprünglichen Klang lässt sich nur mutmaßen – selbst im 18. und 19. Jahrhundert, als die damalige Königlich Preußische Hofkapelle zu einem Orchester von europäischem Rang aufsteigt, ist eine Geschichte dieser Art nur wenig greifbar. Zu den ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Essay, Seite 52
von Detlef Giese
Im Wien der vorvergangenen Jahrhundertwende erlebte das Lied mit Hugo Wolf, Gustav Mahler und den Komponisten des Schönberg-Kreises eine letzte Blüte. Mit Jugendstil, wie der Titel von Camilla Tillings CD es suggeriert, hat das allerdings wenig, mit dem gleitenden Übergang von der Spätromantik zu einer neuen, strengeren Stilkunst umso mehr zu tun. Korngolds...
«Über Gesangstechnik konnte man wunderbar mit Mirella Freni sprechen. Da war sie ganz bei sich, wirkte wie beflügelt. Sie erzählte, wie sie ihre Naturstimme erst im Laufe der Jahre wirklich kennengelernt habe, wie sie dieses Instrument im Körper nach und nach erforschte. Ton für Ton und Phrase für Phrase einer Partie müsse man langsam und sorgsam erarbeiten,...
Zumindest für Science-Fiction-Freunde hält der Erfurter «Lohengrin» ein paar Augenblicke Kurzweil bereit. Dann nämlich, wenn man das Plündern einschlägiger Genrefilme, das Regisseur Hans-Joachim Frey und sein Ausstatter Hartmut Schörghofer so unbekümmert wie wenig durchdacht betreiben, zum Anlass für ein heiteres Zitate-Raten nimmt. «Metropolis», «Raumpatrouille...
