Atem der Tradition

Heute steht die Berliner Staatskapelle für eine dunkle Espressivo-Kultur, die gern als «deutsch» etikettiert wird. Dabei war es ein Italiener, der das Orchester zu einem Ensemble von europäischem Format machte. Eine kleine Tour d’Horizon durch die 450-jährige Geschichte des Klangkörpers

Viereinhalb Jahrhunderte – wer vermag eine solche Zeitspanne zu fassen, mit lebendiger Geschichte zu füllen? Die Staatskapelle Berlin feiert 2020 den 450. Jahrestag ihrer ersten Erwähnung. Als Kurbrandenburgische Hofkantorei bzw. Hofkapelle wurde sie im 16. Jahrhundert ins Leben gerufen, mit einer größeren Anzahl von Sängern und einer weit geringeren an Instrumentalisten.

Mit dem heutigen großen, leistungsfähigen und vielfältig wirksamen Opern- und Sinfonieorchester hatte dieses eher bescheidene Ensemble eigentlich nichts zu tun – es begründete aber eine Tradition, auf die Berlin durchaus mit Stolz blicken darf. Unter den Kulturinstitutionen der Stadt ist die Staatskapelle jedenfalls eine der ältesten, und zudem eine, der es gelungen ist, über die Zeiten mit ihren unterschiedlichen politischen Konstellationen, tiefgreifenden Umbrüchen und mannigfachen Wandlungsprozessen hinweg Bedeutung zu bewahren und neue Relevanz zu gewinnen.

Über den ursprünglichen Klang lässt sich nur mutmaßen – selbst im 18. und 19. Jahrhundert, als die damalige Königlich Preußische Hofkapelle zu einem Orchester von europäischem Rang aufsteigt, ist eine Geschichte dieser Art nur wenig greifbar. Zu den ...

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Opernwelt April 2020
Rubrik: Essay, Seite 52
von Detlef Giese