Eskapistischer Spaß

Moreno Torroba: Luisa Fernanda
Nordhausen | Theater

Opernwelt - Logo

Die spanische Revolution von 1846 war offenbar eine beschauliche Angelegenheit. Es blieb viel Zeit, um die Straße zu fegen, sich erotisch neu zu orientieren oder die politische Richtung zu ändern. Selbst die Unterlegenen konnten in aller Ruhe den Kampfplatz verlassen, jedenfalls wenn man der recht konventionellen Sicht des spanischen Regisseurs Alfonso Romero Mora glaubt.

Die Titelheldin von Federico Moreno Torrobas Zarzuela «Luisa Fernanda» steht genretypisch zwischen zwei Männern.

Der eine hat sich in die oberflächliche Herzogin verguckt, der andere liebt sie leider nicht zurück. Zwischendurch wird mal zu folkloristischer, mal zu international aufpolierter Musik getanzt, bis der Tenor die Fürstin verlässt und der Bariton auf die Vernunfthochzeit mit Luisa Fernanda verzichtet, damit sie zu ihrer wahren Liebe finden kann.

Ricardo Sánchez Cuerda hat eine Wand mit allerlei Türen in den Guckkasten gebaut, die am Anfang kippt und den Blick auf Bühnenarbeiter freigibt, die an den Handzügen ebenso pittoresk wirken wie die Figuren in den Nebenhandlungen. Der Plot des Stücks ist also überschaubar, die schicksalhaften Wendungen sind mäßig motiviert, die Produktion am  ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Uwe Friedrich

Weitere Beiträge
Beziehungsprobleme

Wie kann man das ungeschriebene Gesetz umgehen, nach welchem «Cavalleria rusticana» und «I Pagliacci» unter dem Spitznamen «Cav/Pag» am selben Abend aufgeführt werden? 2012 stellte Nicolas Joel diese Praxis nicht in Frage, als Giancarlo Del Monaco die beiden Einakter an der Bastille Oper verkoppelte. Auch an der Mailänder Scala blieb Stéphane Lissner 2011 der...

Paare, Passanten

Filmmusik. Taucht dieser Begriff in einem Text über neues Musiktheater auf, verheißt er meist nichts Gutes. Als tönende Kulissenschieberei, schallende Konfektion, Klangware aus zweiter oder dritter Hand ist das Genre in der an Adorno geschulten Kulturkritik verpönt. Unter der Fahne des zur Norm erhobenen autonomen, zweckfrei-experimentellen Kunstwerks...

Bis ins Extrem

Händels Zeitgenossen taten sich schwer mit seinem musical drama «Hercules», in dem sich Traditionen der Oper und des Oratoriums vermischen. Heute gilt das Werk als eines der packendsten des Komponisten, das sich, anders als zur Zeit Händels, mit den Mitteln des modernen Theaters auch auf der Bühne realisieren lässt. Für Luc Bondy war «Hercules» die erste und...