Eskapistischer Spaß
Die spanische Revolution von 1846 war offenbar eine beschauliche Angelegenheit. Es blieb viel Zeit, um die Straße zu fegen, sich erotisch neu zu orientieren oder die politische Richtung zu ändern. Selbst die Unterlegenen konnten in aller Ruhe den Kampfplatz verlassen, jedenfalls wenn man der recht konventionellen Sicht des spanischen Regisseurs Alfonso Romero Mora glaubt.
Die Titelheldin von Federico Moreno Torrobas Zarzuela «Luisa Fernanda» steht genretypisch zwischen zwei Männern.
Der eine hat sich in die oberflächliche Herzogin verguckt, der andere liebt sie leider nicht zurück. Zwischendurch wird mal zu folkloristischer, mal zu international aufpolierter Musik getanzt, bis der Tenor die Fürstin verlässt und der Bariton auf die Vernunfthochzeit mit Luisa Fernanda verzichtet, damit sie zu ihrer wahren Liebe finden kann.
Ricardo Sánchez Cuerda hat eine Wand mit allerlei Türen in den Guckkasten gebaut, die am Anfang kippt und den Blick auf Bühnenarbeiter freigibt, die an den Handzügen ebenso pittoresk wirken wie die Figuren in den Nebenhandlungen. Der Plot des Stücks ist also überschaubar, die schicksalhaften Wendungen sind mäßig motiviert, die Produktion am ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Uwe Friedrich
Nicht erst durch Kurt Weill oder das Bauhaus hat sich die kleine Stadt an Elbe und Mulde in die Kulturgeschichte eingeschrieben. Ein Orchester gibt es in Dessau schon seit 250 Jahren, und das Theater veranstaltet gerade seine 222. Saison. Auch wenn der Betrieb schon lange nicht mehr aus der gut gefüllten Schatulle eines den Künsten zugewandten Fürsten, sondern...
Der Abend ist Legende: Sagenhafte 29 Jahre und 369-mal lief Walter Felsensteins Inszenierung des «Ritter Blaubart» an der Komischen Oper Berlin. Jetzt ist sie, knapp ein Vierteljahrhundert nach ihrer Absetzung, als Remake am Staatstheater Cottbus wieder aufgetaucht. Damit setzt sich das Haus an die Spitze eines Trends, dem 2017 auch die Salzburger Festspiele...
Die Effekte sind schon ziemlich spektakulär: Dass Peter Pan und seine Londoner Freunde über die Bühne fliegen, wird natürlich erwartet. Aber der Junge, der niemals erwachsen werden will, kann auch Wände hochlaufen, und in Jason Southgates puppenstubigem Bühnenbild gibt es eine Eisenbahn-Strecke, über die nicht nur altmodische U-Bahn-Waggons ruckeln, sondern...
