«Es muss alles von innen kommen»
Allzu viele Brünnhilden werden wohl nicht mehr kommen.» Das sagt sie so einfach, ganz trocken, begleitet von einem herben Lachen.
Vor einem Jahr hat sie erstmals in San Francisco Wagners Marathonstrecke absolviert. Dann wurde sie in diesem Festspielsommer als Lichtgestalt der Münchner «Götterdämmerung» gefeiert – und nun schon das Ende? Aber es ist ja nicht Frust, der aus Nina Stemme spricht, sondern etwas anderes. Realismus, auch kühles Kalkulieren könnte man es nennen. «Die nächsten fünf Jahre sind fast voll ausgebucht, jetzt ist eben meine Zeit für die Brünnhilde.
Jetzt genieße ich den Marathon. Aber danach, wer weiß?»
Vorerst ist die Schwedin, zum zweiten Mal nach 2005 zur Sängerin des Jahres gekürt, aber auf dem Olymp der Hochdramatischen angekommen. Dort, wo andere Skandinavierinnen wie Birgit Nilsson, Kirsten Flagstad oder Ingrid Bjoner Maßstäbe setzten – und wo Nina Stemme nun ihren ganz eigenen Weg, ihren ganz eigenen Klang gefunden hat. Vor allem die letzte halbe Stunde wird vom Münchner «Ring» bleiben. Wie Nina Stemme ganz allmählich aus dem Hintergrund nach vorne kommt. Wie sie das Ende nicht mit gebieterischer Gebärde herbeisingt, sondern mit einer eigentümlich ...
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Opernwelt Jahrbuch 2012
Rubrik: Sängerin des Jahres, Seite 4
von Markus Thiel
Frau Kammersängerin, in Ihren Memoiren...
Ludwig: ... hab ich nichts über Verdi geschrieben, oder?
Doch, doch: Es gibt eineinhalb Seiten über ihn. Sie schreiben, dass Sie die Lady Macbeth mit Zinka Milanov gelernt haben. Da würde ich gern wissen: Was genau haben Sie von ihr gelernt?
Ludwig: Na ja, ich hab die Lady zugesagt, weil ich den Ruf hatte, immer Partien...
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Am 3. März 2009 stürzte das Historische Archiv der Stadt Köln ein. Eine vermeidbare Katastrophe, die zwei Menschen das Leben, den Oberbürgermeister (indirekt) das Amt und die Stadt unersetzliche Zeugnisse ihres kulturellen Gedächtnisses kostete. Die Ursache des Desasters war schnell ermittelt: Pfusch am umstrittenen U-Bahn-Bau – einem Prestigeprojekt,...
Russland ist groß. Doch schon zu Sowjet-Zeiten, als das Land noch größer war, hörte man selten von Regisseuren und Bühnenbildnern mit unverwechselbarer Handschrift. Man sah bei Gastspielen des Kirow Theaters und des Moskauer Bolschoi Theaters oder bei Devisen-Tourneen personal- wie lautstarker Provinzensembles immer nur uralte «Boris Godunows» und blässliche «Eugen...
