Aus einer Hand
Russland ist groß. Doch schon zu Sowjet-Zeiten, als das Land noch größer war, hörte man selten von Regisseuren und Bühnenbildnern mit unverwechselbarer Handschrift. Man sah bei Gastspielen des Kirow Theaters und des Moskauer Bolschoi Theaters oder bei Devisen-Tourneen personal- wie lautstarker Provinzensembles immer nur uralte «Boris Godunows» und blässliche «Eugen Onegins», deren nicht selten nach Mottenkugeln riechende Kostüme und gemalte Rollkulissen meist schon mehrere Jahrzehnte hinter sich hatten.
Die Sänger wurden als Musiktruhen geparkt, ruderten mit den Händen, stets um bräsigen Naturalismus bemüht. Die Zeiten eines Konstantin Stanislawski, Vladimir Nemirowitsch-Dantschenko oder Wsewolod Meyerhold schienen lange vorbei.
Später machten die auch Opern inszenierenden Theaterregisseure Yuri Lubimov und Lev Dodin an großen Bühnen im Westen Furore: mit viel Handwerk, gelenkiger Komödiantik und – zumindest im Fall Dodin – auch effektvollem Surrealismus. Der Filmregisseur Andrei Tarkowski wurde (wohl hauptsächlich wegen seines Prominentenstatus) 1983 in London für einen dann doch recht konventionell geratenen «Boris Godunow» engagiert, der später auch in Wien gezeigt wurde. Russen ...
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Opernwelt Jahrbuch 2012
Rubrik: Bilanz, Seite 102
von Manuel Brug
Will man die künstlerische Entwicklung und Leistung der Kölner Oper während der letzten drei Spielzeiten einschätzen, sollte man sich zunächst noch einmal die Ausgangslage, also ihren Zustand zu Beginn der Saison 2009/10 vergegenwärtigen: ein nach jahrzehntelanger Vernachlässigung baufälliges Haus, ein Programm ohne Profil, ein von grauem Mittelmaß vergraultes...
Was heut gehet müde unter,
Hebt sich morgen neu geboren.
Manches geht in Nacht verloren –
Hüte dich, sei wach und munter.
Diese Verse aus Eichendorffs «Zwielicht», von Robert Schumann im «Liederkreis» op. 39 vertont, könnten auch die Problematik der alternden Sängerstimme beschreiben. Dietrich Fischer-Dieskau hat den Zyklus nach Gedichten von Eichendorff 1985...
Am Ende löst sich alles in jubelnde Freude auf: «Ach, keiner kann erahnen, / wie glücklich ich bin», singt Amina auf eine hinreißend schwungvolle Melodie zu pulsierender Orchesterbegleitung, die anderen stimmen ein – Aminas Ziehmutter Teresa, ihr Verlobter Elvino, der Conte Rodolfo und der Bauer Alessio sowie der Chor der Landleute. Das Finale von Vincenzo Bellinis...
