Aus einer Hand

Regie, Kostüme, Bühne: Dmitri Tcherniakov macht alles selbst, inzwischen in aller Welt

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Russland ist groß. Doch schon zu Sowjet-Zeiten, als das Land noch größer war, hörte man selten von Regisseuren und Bühnenbildnern mit unverwechselbarer Handschrift. Man sah bei Gastspielen des Kirow Theaters und des Moskauer Bolschoi Theaters oder bei Devisen-Tourneen personal- wie lautstarker Provinzensembles immer nur uralte «Boris Godunows» und blässliche «Eugen Onegins», deren nicht selten nach Mottenkugeln riechende Kostüme und gemalte Rollkulissen meist schon mehrere Jahrzehnte hinter sich hatten.

Die Sänger wurden als Musiktruhen geparkt, ruderten mit den Händen, stets um bräsigen Naturalismus bemüht. Die Zeiten eines Konstantin Stanislawski, Vladimir Nemirowitsch-Dantschenko oder Wsewolod Meyerhold schienen lange vorbei.

Später machten die auch Opern inszenierenden Theaterregisseure Yuri Lubimov und Lev Dodin an großen Bühnen im Westen Furore: mit viel Handwerk, gelenkiger Komödiantik und – zumindest im Fall Dodin – auch effektvollem Surrealismus. Der Filmregisseur Andrei Tarkowski wurde (wohl hauptsächlich wegen seines Prominentenstatus) 1983 in London für einen dann doch recht konventionell geratenen «Boris Godunow» engagiert, der später auch in Wien gezeigt wurde. Russen ...

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Opernwelt Jahrbuch 2012
Rubrik: Bilanz, Seite 102
von Manuel Brug

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