Erst geköpft, dann gehangen
Diese Frau ist nicht totzukriegen: Auf den doppelten Mord an Maria de Rudenz folgt in Donizettis gleichnamiger Oper ihre zweifache Auf -erstehung: Zuerst verschmachtet Maria in den römischen Katakomben und taucht als Rachefurie wieder auf, dann wird sie von ihrem Ex-Geliebten erdolcht, kehrt aber quicklebendig zurück, um ihre Rivalin niederzumetzeln und um schließlich ein drittes Mal zu sterben.
Bei der Uraufführung 1838 in Venedig war das dem Publikum wohl eine blutrünstige Wendung zu viel. Die Oper fiel durch.
Donizetti, der das Bühnendrama in einer seiner schwierigsten Lebensphasen, nach dem Tod von Frau und Tochter, fertigstellte, brachte selbst nur wenig Enthusiasmus für das Werk auf und fürchtete sogar, vom Publikum dafür «massakriert» zu werden. Am Stadttheater Gießen erlebte die geschmähte Belcanto-Oper nun ihre deutsche Erstaufführung und eine erstaunliche Ehrenrettung.
Der Regisseur Hinrich Horstkotte und Bühnenbildner Siegfried E. Mayer zeigen das Werk als romantische Schaueroper. Durch das halbrunde Fenster einer düsteren Schenke erkennt man schemenhaft eine schroffe Bergkulisse. Vom Gruselschloss mit Ahnengalerie bis zur Bibliothek samt Totenschädel lässt die ...
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Opernwelt November 2026
Rubrik: Panorama, Seite 64
von Silvia Adler
Was ist eine Jahrhundert-Sängerin? Sie besitzt eine Stimme, die sich nicht mit reinem Wohlklang aufhält. Sie ist eine Darstellerin, die ihre Figuren kompromisslos lebendig macht. Ihr Name gehört in der Mediathek jedes der Oper und Operette geneigten Haushalts zum Inventar. Anny Schlemm war diese Sängerin, die Generationen prägte.
Doch von vorn: «Anny mit Ypsilon»...
Voyage intime», lautete der Titel einer 2023 erschienenen CD, auf der Sandrine Piau und ihr vorzüglicher Klavierpartner David Kadouch eine faszinierende Reise ins Innere der Musik an vergangene, ersehnte oder gar unerreichbare Orte unternahmen. Jetzt ist mit dem Titel «Contes» («Geschichten» oder «Märchen») die zweite Folge des Diptychons erschienen, die die...
Auf der Opernbühne hat «The Tempest», vermutlich Shakespeares letztes Bühnenwerk, wenig Glück gehabt. Felix Mendelssohn Bartholdy stand kurz davor, das Stück als italienische Oper für London zu komponieren. Nach dessen Tod sprang Jacques Fromental Halévy, der Komponist der «Juive», ein und machte 1850 eine belanglose Primadonnen-Oper daraus. Frank Martin...
