Erlösung dem Erlöser?
«Parsifal» war Wagners letzte Karte – mit dem Weltüberwindungswerk vom «reinen Toren» wollte er eine Kunstreligion stiften. Thilo Reinhardt unterzog das pseudosakrale «Bühnenweihfestspiel» in seiner Wuppertaler Inszenierung einer radikalen Gegenlektüre. Mit seinem Bühnenbildner Harald Thor verlegte er Wagners «heiligen Bezirk» im ersten Akt in die Sporthalle eines Elite-Internats oder einer schlagenden Studentenverbindung, den männerbündischen Charakter der esoterischen Gralsgesellschaft betonend.
Es befremdet zunächst, Gurnemanz als Fechtlehrer einer Erziehungsdiktatur zu sehen. Aber das konsequent durchgehaltene Bild des Fechtens entwickelt eine eigene Logik. Der anfänglichen Harmlosigkeit werden mit dem Auftritt des schwerkranken Institutsdirektors Amfortas, dann des Außenseiters Parsifal erste Risse versetzt; im Aufmarsch der Gralsritter – der Parodie eines farbenprächtig und detailsatt inszenierten burschenschaftlichen Stiftungsfestes – bricht sie vollends in sich zusammen. Die Enthüllung des Grals wird zum blasphemischen Ritual. Der Wein, den der wie Christus ans Kreuz geschlagene Amfortas der lechzenden Menge spendet, ist sein eigenes Blut.
Die Szenerie kehrt im dritten Akt ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Uwe Schweikert
Das Neue altert schnell. Dennoch muss man vorsichtig sein, wenn man in einer Stadt wie Lüneburg einen Komponisten wie Paul Hindemith präsentiert, der einst als Bürgerschreck galt. «Neues vom Tage» hatte schon 1929 keinen nachhaltigen Erfolg – obwohl bei der Uraufführung Otto Klemperer am Pult stand. 1953 arbeitete Hindemith das Stück um, aber selbst eine englische...
Impressum
56. Jahrgang, Nr 5
Opernwelt wird herausgegeben von
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Best.-Nr. 752278
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 13.04.2015
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Die Marschallin ist eine schöne Libelle samt Krönchen und Zauberspiegel, Octavian ein flotter Grashüpfer, der sich per Kopfhörer mit Hip Hop volldröhnt. Der böse Zauberer namens Ochs will als Riesenkäfer die kleine Raupe Sophie vernaschen, was ihm auch fast gelingt. Die Rede ist nicht von Brigitte Fassbaenders Neuinszenierung des «Rosenkavalier», sondern von der...
