Auf Schwingen, unterm Flügel
Gewiss muss die Tante tot sein, die man beerben will; doch vorher schon kann man sich sehr genau im Zimmer umsehen.» Als Ernst Bloch in «Erbschaft der Zeit», veröffentlicht 1935, das untergehende Bürgertum analysierte, plädierte er für eine genaue Prüfung der «Elemente» bürgerlicher Errungenschaften: Wer weiß, ob nicht Erbstücke darunter sind, die für eine künftige Gesellschaft brauchbar wären.
Ideologisches hatte die Stuttgarter Hugo-Wolf-Akademie für Gesang, Dichtung, Liedkunst gewiss nicht im Sinn, als sie Mitte März in der Musikhochschule ein viertägiges Liedfestival ausrichtete. Doch im Kern ging es genau um das Spannungsfeld, das der eingangs zitierte Satz charakterisiert: Wie steht es um diese exemplarisch bürgerliche Gattung, was gehört zum absterbenden Rest einer Tradition, welche Errungenschaften kommen einem frischen Voran gelegen?
Das von der Kulturstiftung des Bundes geförderte Projekt «Sind noch Lieder zu singen?», das sein Motto einem Paul-Celan-Gedicht entliehen hatte, präsentierte neben Workshops und Diskussionen Uraufführungen von Carola Bauckholt, Carsten Hennig, Gordon Kampe, Bernhard Lang, Jan Masanetz, Alexander Muno, Steffen Schleiermacher, Martin Smolka, ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Götz Thieme
Spionage, Eifersucht, Rache – keine andere Oper kommt einem Thriller so nahe wie Umberto Giordanos «Fedora». Der erste Akt zeigt uns Fedora Romazov in Sankt Petersburg, während ihre große Liebe stirbt. Im zweiten Akt hat sie als Frau, die aus der Kälte kam, in Paris den Mörder ihres Verlobten aufgespürt. Aber wider Willen verliebt sie sich in diesen Loris, in...
Wenn das so weitergeht, dürfte er irgendwann die Gestik ganz einstellen. Ein aufmunternder Blick, ein Handgelenksschlenker, im Ernstfall eine hochgezogene Augenbraue, das könnte dann reichen. Immer sparsamer wirkt das, was Christian Thielemann auf dem Podium macht: Die Verklärung des Handwerks hat bei ihm schon jetzt eine sehr entscheidende, sehr sichtbare Stufe...
Der Weg zu «Orfeo» und in die Hölle ist mit festlichen Klängen gepflastert. Er führt vorbei an bleichen Russen, die vor hell erleuchteten Restaurants auf dem Akkordeon ihre Bach-Toccaten und auf der Treppe zum Theater im Bläserquintett virtuose Opern-Arrangements spielen. Im Foyer warten schon die Blechbläser der Camerata Bern, die Monteverdis Eingangstoccata...
