Erkenntnis und Versuchung
Auch größte Mozart-Liebhaber – sind wir das nicht irgendwo alle? – haben an dieser Geschichte gezweifelt. Dass zwei Freunde ihre beiden Verlobten verlassen, um ihre Treue zu prüfen, weil sie darauf eine Wette eingegangen sind, mag man ja noch glauben. Dass sie verkleidet zurückkehren und den beiden Schwestern den Hof machen – und zwar der jeweils anderen – mit etwas gutem Willen auch.
Dass die beiden Frauen auf den Mummenschanz hereinfallen und die Männer über zwei Akte über nicht erkennen – nun wirklich nicht… Vor allem die Musik macht in «Così fan tutte» deutlich: Hier wird etwas ganz grundlegend verhandelt, nämlich der Beziehungskanon der beiden Geschlechter.
Schon lange hat man das nicht mehr so gründlich, überzeugend und überdies so ästhetisch ansprechend erlebt wie in Philipp Himmelmanns Neuinszenierung im Festspielhaus Baden-Baden. Und – so musikalisch. Wenn es einen Regiepreis gäbe für das sorgfältigste Zusammenspiel von Musik, Text, Szene und Bild – Himmelmanns «Così» wäre ein heißer Aspirant. Schon der Titel der rätselhaftesten der drei Mozart-Da-Ponte-Opern animiert zum Spiel: Aus der reichlich defätistischen These des Don Alfonso, des Verursachers der Wette, «So machen’s ...
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Das letzte Opern-Tabu hat einen Namen: David Marton. An der Treue zum Notentext nämlich, an der Form der Werke, hat selbst die vom sogenannten Regietheater revolutionierte Oper bislang nicht gerüttelt. Marton schon.
Selbst bei der Länge der Werke tendiert die Gegenwart, die zugleich szenisch immer stärker dekonstruiert, zu gesteigerter Nibelungentreue zum Original....
Man muss ihn wohl als Lebenskünstler bezeichnen. Wilfried Hiller hat nie mit seiner Energie und Fantasie gegeizt. Wahrscheinlich ist ihm gerade deswegen immer neue zugewachsen. Ein ganzes Berufsleben lang, von 1971 bis 2006, war er Musikredakteur beim Bayerischen Rundfunk, hat dort über 21 000 Stunden Programm zusammengestellt und viel bewirkt in Sachen Neue Musik...
Tristan stirbt. Nur wenige Augenblicke bleiben dem Verwundeten, um zu jener Hellsichtigkeit zu gelangen, die ihn reif für den ersehnten Übergang ins Totenreich macht. Nur ein Wimpernschlag, um sein ganzes Leben von Geburt an zu reflektieren und mit ihm abzuschließen. Denn um nichts anderes geht es in dem großen Auftritt, den Wagner im dritten «Tristan»-Akt seinem...
