Bartoli im Schlafzimmer
Der zweite Akt von Rossinis vorletzter Oper spielt im Schlafzimmer. Das bedeutete 1828 sogar in Paris einen Tabubruch, zumal wenn der schürzenjagende Titelheld sich dort handgreiflich der Schlossherrin zu nähern versucht.
Wohl in keiner Oper vor Offenbachs «La belle Hélène» wird so viel schlüpfrige Erotik gezeigt – geradezu atemberaubend in dem Terzett, in dem die Avancen des Comte im nächtlichen Dunkel versehentlich seinem eigenen Pagen gelten, der neben derselben Comtesse liegt, die auch der Jüngere verführen will… Die Kreuzfahrer kehren da gerade noch rechtzeitig heim, um dem unmoralischen Treiben Einhalt zu gebieten. Dennoch bleiben unaufgelöste Ambivalenzen, wird doch der vom Titelhelden umarmte und geküsste Page auf der Bühne von einer Frau verkörpert.
Das Regie-Tandem Moshe Leiser/Patrice Caurier versetzt dieses Spiel mit verbotenen Früchten, das so gar nicht in die sittenstrenge Restaurationszeit zu passen scheint, in die französische Provinz zur Zeit des Algerien-Kriegs. Buntscheckige Kostüme und fantasievolle Bühnenbilder machen deutlich, wie viel unterdrückte Triebe sich in einer ach so sittenstrengen Gesellschaft angestaut haben: Im ersten Akt verlustiert sich der Comte ...
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