Erfrischend originell
Mag ihre biblische Authentizität auch in Frage stehen: Zum Kanon des Alten Testaments wird Judith allemal gezählt. Sie kann sogar als populärste weibliche Gestalt der Heiligen Schrift gelten. Die Frau, die ihr Volk von den Assyrern befreite, indem sie deren Heerführer Holofernes enthauptete, hat nämlich eine erstaunliche Zweitkarriere in der Kunstgeschichte vorzuweisen.
Von Caravaggio und Botticelli über den älteren Lucas Cranach bis hin zu Franz von Stuck und Gustav Klimt huldigten der mörderischen Schönen namhafte Herren; ein noch besser nachvollziehbares Gelüst verspürten Malerinnen wie Artemisia Gentileschi oder Giulia Lama, die das Genre um besonders barocke, also makabre Tafeln bereicherten. Auch haben sich mindestens 50 Komponisten an dem Sujet versucht, darunter Vivaldi und Mozart.
Die kroatische «Judita», geschrieben von Frano Parać, muss keine Konkurrenz fürchten. Seit der Uraufführung im Jahre 2000, die auch auf DVD festgehalten wurde, erfreut sich das archaisch bebende Werk daheim anhaltender Beliebtheit. Es ist ihm zuzutrauen, Ivan Zajc’ «Nikola Šubić Zrinjski» und Jakov Gotovac’ «Ero s onoga svijeta», die kroatischen Klassiker, früher oder später aus dem Repertoire ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Medien, Seite 42
von Volker Tarnow
Frau Kampe, was macht man eigentlich als Brünnhilde zwischen den Vorstellungen und «Ring»-Zyklen?
Ausruhen! Manchmal gehe ich auch zur Massage, damit sich der Körper ein bisschen entspannt. Ansonsten spazieren gehen, Dinge tun, die nicht allzu anstrengend sind. Aber sich völlig gehen zu lassen, ist auch nicht gut. Man muss den Motor schon am Laufen halten.
Ist es...
Frei ist die Tonkunst geboren und frei zu werden ihre Bestimmung.» Mit dem kühnen Satz krönte Ferruccio Busoni 1907 seinen «Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst» – in der zweiten Fassung 1916 Rainer Maria Rilke, «dem Musiker in Worten verehrungsvoll und freundschaftlich dargeboten». Mit dem Schweben zwischen der Tradition und einer dank Schönberg sich...
In der ersten Pause dieses fünfstündigen Abends suchen einige Besucher das Weite. Das ist durchaus verständlich, vor allem, wenn man ganz unvorbereitet in die Aufführung geht: Eine Frau sitzt auf einem Leuchtturm und gebiert ein Kind. Und später noch eines. Davor betreten Heinzelmännchen und andere seltsame Gestalten die Bühne, singen und bewegen sich eigenwillig....
