Jenseits des Biedermeier

Überfällig: Biographien von Otto Nicolai und Friedrich von Flotow

Opernwelt - Logo

Unterschiedlicher hätten sie nicht sein können. Ihre einzige Gemeinsamkeit war der Erfolg. Otto Nicolai wuchs in Königsberg unter prekären Verhältnissen auf. Der Vater prügelte ihn und trennte sich früh von der Mutter, für deren psychisches Leiden er ebenfalls verantwortlich war. Das Kind wuchs bei Pflegeeltern auf. Vater und Mutter traten später nur noch in Erscheinung, um Almosen abzukassieren; der Komponist und Gründer der Wiener Philharmoniker unterstützte sie finanziell bis zu seinem Lebensende.

Welcher Kontrast zu Friedrich von Flotow, dem Spross einer mecklenburgischen Familie, deren Vorfahren sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Er bekam eine standesgemäße Ausbildung, der Vater schickte ihn zum Studium nach Paris. Dort unterrichtete ihn eine Koryphäe von europäischem Rang: Antonín Reicha, Jugendfreund Beethovens, Nachfolger Méhuls am Conservatoire und Autor mehrerer Standardwerke zu Kompositionstechnik und Harmonielehre. Dank seiner Pflegeltern kam aber auch Otto Nicolai voran; er fand in Berlin die Unterstützung Karl Friedrich Zelters, wurde Organist in Rom und ein leidenschaftlicher Wortführer des Belcanto. Die Grundsteine seiner Erfolge waren, wie im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Medien, Seite 44
von Volker Tarnow

Weitere Beiträge
Mit menschlichem Maß

Positiv schon, dass dieser Halberstädter Wagner-Nachmittag und -Abend auch für Menschen mit weiter Anreise oder begrenztem Zeitbudget nicht zur Geduldsprobe entgleist: Nach reichlich viereinhalb Stunden ist Brünnhilde feierlich in ihrem Feuerring verschlossen, wobei die Licht- und Videotechnik noch einmal gute Figur macht. Nun kann sich jeder nach Herzenslust bei...

Der Blick zurück

Babyfreuden im Hause Rigoletto! Eng umschlungen fahren die Eltern ihren Kinderwagen spazieren, an dem ein herzförmiger roter Luftballon befestigt ist. Er wird später an Gildas Kleidung zitiert werden. Doch so idyllisch bleibt die stumme Szene während des Vorspiels nicht: Der Klammergriff ihres Mannes wird der Mutter zunehmend unangenehm. Sie entwindet sich der...

Leicht im schweren Fach

Ich lehne Partien ab, die viel Schreien verlangen.» Ein Credo. Renato Bruson sang sie dann trotzdem, aber eben auf seine Art. Er hat all die Schurken, Sonderlinge und zwielichtigen Kerle zu sich herangeholt und ihnen andere, manchmal neue Facetten eröffnet. Auf dem Zenit seiner Karriere bildete der Italiener den Gegenentwurf zum sieben Jahre älteren Landsmann Piero...