Entpuppt
Die Frage, warum der Schöpfer dem Menschen den mächtigsten Trieb gegeben habe, um diesen sodann ganz oben auf die Verbotsliste zu setzen, hat den «roten Priester» wohl nie sonderlich gequält. Denn Antonio Vivaldi handelte in seiner Libido, glaubt man den Berichten, recht frei. Auf jeden Fall besitzt die schönste Hauptsache der Welt auch in seinen Opern einen ambivalenten Charakter. Wobei die Eigensucht – sempre piace goder il suo bene (immer sein eigenes Wohl genießen) singt Arsildas Verehrer Barzane – eine wesentliche Rolle spielt.
So befreien stete Verstellung und Identitätswechsel die jeweils Liebenden von aller Verantwortung; das dekadente, gelegentlich perverse Spiel ersetzt die Wirklichkeit. Wie eben auch in «Arsilda, regina di Ponto» nach dem Libretto von Benedetto Domenico Lalli.
Eigentlich geht es dort vor allem um Tamese und Lisea, den Thronprätendenten von Zilizien und seine Zwillingsschwester. Und um Tameses Freund Barzane. Als Gäste des Königs von Ponto verlieben sich die beiden jungen Männer in dessen Tochter Arsilda; diese gibt Tamese den Vorzug, was Barzane in Eifersucht glühen lässt. Auf der Rückreise fällt Tamese vermeintlich einem Schiffbruch zum Opfer. ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Gerhard Persché
Als Serge Dorny, Intendant der Opéra de Lyon, im Herbst 2013 von der damaligen sächsischen Kunstministerin Sabine von Schorlemmer als neuer Chef der Dresdner Semperoper präsentiert wurde, hatte er sich für das traditionsbewusste Haus und die auf ihre ruhmreiche Geschichte mächtig stolze Stadt etwas ganz Besonderes ausgedacht: eine Wieder-Holung szenischer Arbeiten,...
JUBILARE
Philippe Herreweghe kam 1947 in Gent zur Welt und absolvierte sein Abitur am örtlichen Jesuitenkolleg. Danach studierte er am Konservatorium seiner Heimatstadt bei Marcel Gazelle (Klavier), Johan Huys (Cembalo) und Gabriel Verschraegen (Orgel). Der musikalischen Ausbildung schloss sich eine wissenschaftliche in den Fächern Medizin und Psychiatrie an. 1970...
Lyon: «Elektra»
Wieder hat er ganze Arbeit geleistet: In mehr als 60 Details weicht Hartmut Haenchens «Elektra»-Material von den gängigen Druckfassungen ab. Änderungen und Ergänzungen, die, so die feste Überzeugung des Dresdner Dirigenten, den letzten Willen von Richard Strauss spiegeln. Aufgespürt vor allem in der Uraufführungspartitur von 1908/09. Für sich...
