Engel mit Flügeln
Boris Juchananow, ein Schüler von Anatolij Wassiljew, Adept des antipsychologischen, mythisch-poetischen Theaters und gegenwärtig einer der wichtigsten Theoretiker der russischen Theaterwissenschaft, hält sein Elektrotheater Stanislawski in Betrieb, obwohl ein eisiger, kriegsbedingter Wind durch Moskau weht.
In seinem Theater gab es immer wenig Publizistisches und frontal Kritisches; den Künstlerischen Leiter quälte, wie Andrej Sinjawski, eher die ästhetische Unvereinbarkeit zwischen ihm und dem politischen System; zu politischen Skandalen führte sein langjähriger Kampf für innere und äußere Freiheit eher nicht. Auch in seiner neuen Serie mit vier Bühnenwerken ist Juchananows Botschaft (als Librettist und Regisseur) so verschlüsselt, dass es einer Denunziation gleichkäme, würde man diese Arbeiten in der russischen Presse offen dechiffrieren. Hoffen wir, dass es nicht dazu kommt.
Der Mangel an finanziellen Mitteln (das Theater hält sich nur mühsam über Wasser) veranlasste Juchananow, ein Experiment in vier Teilen zu machen, das ansatzweise dem von Peter Sellars und Bill Viola mit Wagners «Tristan und Isolde» ähnelt; eine eigentliche szenische Handlung gibt es nicht. Wir sehen nur ...
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Opernwelt Februar 2023
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Alexej Parin
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Menschen tendieren gelegentlich zu Dummheit und Spießigkeit. Doch: kein Grund zur Aufregung! Oder: wenn Aufregung, dann im Opernhaus! Philippe Boesmans jedenfalls erfüllte sich mit seinem letzten Werk den lang gehegten Wunsch nach einer komischen Oper. Mit seinem Stammhaus, dem Théâtre La Monnaie, durch vier Jahrzehnte und ein halbes Dutzend Uraufführungen eng...
