Eine Nixe kommt selten allein

Dvoráks «Rusalka» als Drama von heute in Brüssel und als Kulissentheater in Düsseldorf

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Es waren Momente der Magie und des Staunens. Hinter der tschechischen Grenze, so glaubten wir Kinder, begann die Welt unserer Träume. Stunden verbrachten wir vor Märchenverfilmungen aus der CSSR, später entzückte uns Pan Tau, der Magier mit Melone, der die Menschen liebte. Und in der Schule begannen wir zu träumen, wenn der Musiklehrer Smetanas «Moldau» auflegte – mit den zarten Nymphen, die im silbernen Mondlicht Reigen tanzen.

Diesen musikalischen Moment seines großen Vorgängers hatte sich Antonín Dvorák gemerkt.

Das «Lied an den Mond» wurde als Sopranarie zum weltberühmten Divenkonfekt; vor allem ist es die selige Lichtszene seiner Oper «Rusalka» von 1900, die von der Verwandlung einer Nixe in ein menschliches, aber stummes Wesen erzählt – und vom Tod, den sie dem geliebten, doch treulosen Prinzen bringen muss. Rusalka ist eins jener Fabelwesen, in deren See Mythologie und Literatur (etwa Andersen und Puschkin) gern gefischt haben, mit guten und sogar psychoanalytischen Fangergebnissen bis Jean Giraudoux und Ingeborg Bachmann.

Ein glücklicher Zufall wollte es, dass Dvoráks Oper nun innerhalb von vierundzwanzig Stunden zweimal Premiere hatte: in Brüssels Théâtre de la Monnaie und ...

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Opernwelt Februar 2009
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Wolfram Goertz

Vergriffen
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