Ein Wunder

Donizetti: Maria Stuarda
Zürich | Opernhaus

Opernwelt - Logo

Einen Abend mit einem so ausgeprägten Epizentrum der Energie gibt es selten. Nach der Vorstellung von Gaetano Donizettis «Maria Stuarda» am Opernhaus Zürich weiß man jedenfalls wieder, was das ist: eine Primadonna. In der Partie der stolzen, am Ende aber doch hingerichteten Königin von Schottland lässt es Diana Damrau hören, sehen, spüren. Ihr gehört die Aufmerksamkeit – und die Sympathie, so haben es der Komponist und sein Librettist Giuseppe Bardari angelegt.

Maria Stuart hat nicht weniger auf dem Kerbholz als Elisabeth, die Widersacherin auf dem englischen Thron, doch ihre dunklen Seiten kommen erst zum Schluss ans Licht – in der Beichte, die sie ablegt, bevor sie sich dem Henker ergibt. Zuvor kämpft sie um ihren Status, ja ihr Leben, und sie tut es mit allen Mitteln, an diesem Opernabend nicht zuletzt mit vokalen. Was Diana Damrau dabei gelingt, ist nicht weniger als ein Wunder.

Gleich zu Beginn macht Regisseur David Alden deutlich, worum es geht. Erhobenen Hauptes, in sicherer Distanz und äußerst langsam umkreisen sich die beiden in Hass entbrannten Herrscherinnen. Schauplatz ist ein Halbrund aus überaus schickem Stein; es ist das Gefängnis, in dem Elisabeth ihre ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Peter Hagmann

Weitere Beiträge
Keckern, Kichern, Jauchzen

«Opera Ireland ist eingegangen,» schrieb Michael Dervan 2010 in seinem Abgesang in der «Irish Times», als die gebeutelte Kompanie nach 69 Jahren endgültig einbrach – um gleich eine pikante Frage anzufügen: «Und was ist mit der neuen Irish National Opera, die Kunstminister Martin Cullen auf den Plan gerufen hat [...]? Tja. Tun wir das Undenkbare im aktuellen Klima:...

Gedankenspiele

Für sein neuestes Musiktheaterwerk hat Sidney Corbett auf ein nicht realisiertes Projekt Pier Paolo Pasolinis zurückgegriffen. Wie in seinem erfolgreichen Film «Das 1. Evangelium – Matthäus», in dem Pasolini Jesus als kompromisslosen Prediger mit sozialrevolutionären Zügen darstellt, wollte er auch Paulus, die Zentralfigur im Übergang vom Urchristentum zur...

Apropos... Lehrjahre

Frau Romaniw, Sie sind nach dem Konservatorium nach Houston ins Opernstudio gegangen – eine schwierige Zeit für Sie.
Diese Nachwuchsprogramme nehmen einen hart ran. Das muss wohl auch so sein. Die Gelegenheit, mit erfahrenen Kollegen den Theateralltag zu teilen und auf der Bühne zu stehen, fand ich unbezahlbar. Doch stimmlich fing ich gefühlt wieder bei Null an.

Wi...