Ein wenig üppig
Schuberts drei große Liederzyklen hat Andrè Schuen bisher aufgenommen; die Resonanz war stark, teilweise überwältigend. Gewürdigt wurde die Schönheit von Schuens Stimme, die Intelligenz der analytischen Durchdringung, die Expressivität. Vom Lied mag der Bariton immer noch nicht ganz lassen, seine jüngste Veröffentlichung mit dem schlichten Titel «Mozart» bietet zwar bekannte Arien (Don Giovanni, Figaro, Papageno), schaltet aber auch immer wieder Lieder oder klavierbegleitete Kantaten dazwischen.
Im Falle der «Abendempfindung» (KV 523) ist Schubert sogar so nahe, dass man fast von einem fließenden Übergang von Schuens bisherigen Veröffentlichungen sprechen kann. Wie sich hier über still-bewegter Begleitung im Klavier die Singstimme ausbreiten darf in gelassener Einkehr von der Unrast des Tages: Ganz ähnliche Abendstimmungen hat auch Schubert kaum drei Jahrzehnte später ersonnen. Der Sänger ist hier hörbar in seinem Element, vertraut der Wärme seiner Stimme, richtet den Blick nach innen, lässt geschehen. Und doch ist Mozart anders. Die Rhythmen sind feiner, liedhafte Passagen wechseln sich ab mit rezitativartigen, die im gedämpften Ton der abendlichen Atmosphäre nach Beweglichkeit ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Medien, Seite 37
von Clemens Haustein
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Eine Wagner-Oper um vier Uhr nachmittags – da kommen Festspiel-Gefühle auf! Die Sonne brennt, das Satteldach des Bühnenhauses von Neustrelitz grüßt über die Wiesen und Wipfel wie jenes in Bayreuth über Kleingartenanlagen und Maisfelder. Das Theater in der mecklenburgischen Residenzstadt liegt sogar auf einer Erhebung, die wir ruhig mal einen Hügel nennen. Nebenan...
Den Begriff kennen wir aus der Philosophie des 17. Jahrhunderts. Anno 1649 verfasste René Descartes seinen legendären Tractatus logicus «Les Passions de l’âme» (Die Leidenschaften der Seele) und legte damit ein Traktat vor, das, wiewohl nur subkutan, erhebliche Wirkung vor allem auf jene Kunstform ausübte, die sich a priori glänzend eignete für diesen prekären...
