Ein Leben unter der Perücke
Er floh vor der pietistischen Enge seiner Heimatstadt in die großen Metropolen, sobald er konnte. Er war attraktiv und eloquent, kreativ, polyglott und scharfzüngig. In seinen Opern war er der größte Frauenversteher des Barock. Trotzdem hatte er zeitlebens keinen belegbaren intimen Kontakt zum anderen Geschlecht. Wenn man die gesicherten Eigenschaften und Lebensumstände Georg Friedrich Händels mit dem Blick des 21.
Jahrhunderts betrachtet, stellt sich vor allem eine Frage: War der Mann am Ende schwul?
In seiner neuen Biografie hat sich Franzpeter Messmer dieser Frage gestellt, und prompt taucht sie wie ein roter Faden in allen Lebensetappen des Komponisten auf. War es wirklich nur eine Hakelei über musikalische Zuständigkeiten, die zum Zweikampf des 19-jährigen Händel mit seinem Busenfreund Johann Mattheson führte? Hatte der homosexuelle Medici-Prinz Gian Gastone, der Händel bald darauf anbot, in seinem Gefolge nach Italien zu reisen, rein künstlerische Interessen? Hatte der Papstneffe Benedetto Pamphili, der Händel in einer Ode feierte und mit der Vertonung seines Oratoriums «Il trionfo del tempo e del disinganno» beauftragte, wirklich keinen Grund, sich etwas von dem jungen, nach ...
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«Was für ein abscheulicher Stoff, nicht ein gutes oder edles Gefühl darin!» So charakterisierte Alexander Puschkin die Geschichte vom ukrainischen Kosaken-Hetman Iwan Mazeppa, die zur Grundlage seines großen Versepos «Poltawa» wurde. In der Tat: Mazeppa, der schon zur Zeit Peters des Großen eine unabhängige Ukraine anstrebte, ist eine zwielichtige Figur. Im Großen...
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich kann mir gut vorstellen, dass viele von Ihnen heute mit Skepsis ins Radialsystem gekommen sind. Sagen wir es mit einem Titel von Botho Strauß: Bekannte Gesichter – gemischte Gefühle. Was sollen sie denn bringen, solche Diskussionsrunden? Ist es nicht immer dasselbe: Letztlich reden die Beteiligten erst höflich, dann...
Der liebe Gott ist auch dabei. Wenn Hörner, Trompeten und Posaunen fortissimo den Vorhang zum grotesken Mysterienspiel wegblasen, hat er schon im Himmel Platz genommen. Ein schrulliger Alter mit wilder Mähne und weißem Rauschebart. Für die putzigen Putten, die um ihn herum am Firmament kleben, scheint er sich nicht zu interessieren. Eher schon für Frau Faust auf...
