Ein Glanz von innen
Der Tod, so hat es Vladimir Jankélévitch mit poetischer Eindrücklichkeit formuliert, gleiche einer Leere, die mitten im Leben eines Wesens aufbricht; «das Seiende, das wie durch eine wundersame Verfinsterung plötzlich unsichtbar wird, stürzt sich auf einmal durch die Falltür des Nicht-Seins.» Andererseits, so der französische Philosoph in seinem Buch «Der Tod», sei dieses «Wunder» keine außergewöhnlich seltene Unterbrechung der natürlichen Ordnung, keine außergewöhnliche Abweichung vom üblichen Verlauf der Existenz.
Sondern zugleich das universelle Gesetz jeglichen Lebens und das gemeinsame Schicksal der Wesen.
Und so klingt er auch. Zumindest bei Richard Strauss, im vierten seiner «Vier letzten Lieder». Mild, beinahe wie eine späte Aussöhnung, klingt dieser Tod zugleich wie ein Zielpunkt: «Immer langsamer» ist die Musik während des Verses «ist dies etwa der Tod?» geworden, immer leiser, hintergründiger, verklärter, metaphysischer gewissermaßen. Und genau in dem Augenblick, wenn das Wort «Tod» erreicht wird, landet das gesamte Orchester – nein, nicht in der Haupttonart des Liedes, in Es-Dur, und auch nicht in der parallelen Molltonart oder gar auf einem entfernten Stern – nein, ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: CD des Monats, Seite 25
von Jürgen Otten
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Die quasi religiöse Beethoven-Verehrung vergangener Zeiten scheint nicht mehr en vogue, selbst in diesem Jubiläumsjahr. Bereits vor 20 Jahren stellte die FAZ im Zusammenhang mit einer Neuedition von Beethovens Briefwechsel fest, dass der «Klassiker-Kanon an normativem Druck verloren» habe, und damit auch jene «Einschüchterung durch Klassizität», gegen die Brecht...
Über seine wahre Herkunft lässt der rätselhafte Gralsritter Lohengrin das staunende Bühnenvolk wissen: « ... ein lichter Tempel stehet dort inmitten ...». Ein ganz anderes Erstaunen kennt der Opernbesucher in Chemnitz: Lohengrins Tempel, darf man fantasieren, wäre im Grunde genau hier zu verorten, an dem bei anbrechender Dunkelheit schimmernd bestrahlten Haus auf...
